Wo viele Fäden zusammenlaufen
Seit gut zwei Jahren ist Kai Lorenz als Referent Bergrettungsdienst tätig. Einblicke in seinen Arbeitsalltag, seine Schwerpunkte und die Herausforderungen zwischen Haupt- und Ehrenamt.
Wer mit Kai Lorenz spricht, merkt schnell: Stillstand gibt es in seinem Arbeitsalltag nicht. Häufig kommt er schon schwer beladen im Büro an –sein Schreibtisch ist dann umstellt von Koffern, Technik-Kisten und Taschen. Zusätzlich im Gepäck hat er Berichte aus den Ortsgruppen, von Fahrzeug-Reparaturen, um die er sich gekümmert hat, oder von aktuellen Einsätzen.
Ursprünglich hatte sich Kai als Referent für Einsatz und Entwicklung beworben, inzwischen hat sich die Stelle deutlich gewandelt. Heute verantwortet der 27-Jährige unter anderem Fahrzeugbeschaffung, Veranstaltungen sowie mehrere Fachbereiche – darunter Informations- und Kommunikationstechnik (IuK), Notfallmedizin, die Skiwacht im Winter und Jugendarbeit.
Ein Job mit vielen Schnittstellen
Seine Aufgaben sind vielfältig – und oft schwer klar einzugrenzen. „Das Zielbild ist es, alle Fachbereiche und Aufgaben am Laufen zu halten“, erklärt Kai. „Dazu kommen die Betreuung von Großveranstaltungen und die Angebotserstellung für den gesamten Veranstaltungsbereich.“
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Arbeit im Fachbereich Fahrzeuge und Logistik. Gerade die Logistik, angesiedelt beim Katastrophenschutz, hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. „Wenn man das konsequent aufbauen würde, könnte man damit problemlos eine Vollzeitstelle füllen“, sagt er. Beschaffung, Wartung, Dokumentation und Einsatzbereitschaft – all das müsse organisiert werden.
Manche Prozesse kosten ihn schon auch mal Nerven. Das betrifft vor allem den Bereich IuK, in dem er es mit unterschiedlichen Leitstellen, technischen Standards und schnellen Entwicklungen zu tun hat. „Ein Großteil ist historisch gewachsen. Das jetzt zu vereinheitlichen, ist aufwendig und wird uns noch lange beschäftigen“, so Kai.
Auch intern müssen Einheitlichkeit und klare Zuständigkeiten noch weiter verbessert werden. Als David Hierholzer vor einem Jahr das LGS-Team als Landesleiter Bergrettungsdienst ergänzte, wurden die Aufgaben zwischen den beiden neu verteilt. Das Ziel: klare Ansprechpartner für das Ehrenamt zu schaffen, um effizienter arbeiten zu können. „Früher haben wir beide vieles parallel gemacht. Das war extrem ineffizient. Jetzt versuchen wir, die Verantwortung nach Fachbereichen sauber aufzuteilen.“
Was motiviert – und was fordert
Besonders motivierend sind für Kai die Bereiche, in denen Ergebnisse sichtbar werden. „Bei Fahrzeugen und der Logistik sieht man, was man schafft. Wenn am Ende neue Fahrzeuge dastehen, ist das schon etwas Besonderes.“ Auch Großveranstaltungen reizen ihn: „Da ist man operativ näher dran und erlebt Einsätze direkter.“
Gleichzeitig fordert ihn die strukturelle Arbeit im Hintergrund. Ein wichtiger Lernprozess sei, Aufgaben abzugeben: „Ich muss lernen, Dinge nicht selbst zu machen, sondern sie in die Fachbereiche zu geben – auch wenn es dann vielleicht länger dauert.“
Zwischen Haupt- und Ehrenamt
Neben seiner hauptamtlichen Tätigkeit bleibt Kai auch ehrenamtlich engagiert, wenn auch deutlich reduzierter als früher. Den klassischen Dienst in der Ortsgruppe hat er weitgehend aufgegeben. Stattdessen konzentriert er sich nun auf den Leitungsdienst, dessen Team er inzwischen ergänzt: „Der Leitungsdienst ist für mich die Chance, noch ein Stück aktiv im Bergrettungsdienst zu bleiben.“
Ein zentrales Thema bleibt das Zeitmanagement. „Man könnte problemlos rund um die Uhr Bergwacht machen – aber man muss sich bewusst Auszeiten nehmen.“ Dabei hilft ihm die große Flexibilität: Eigenverantwortliches Arbeiten ermöglicht es, Zeiten frei einzuteilen und Belastungsspitzen auszugleichen. „Das Vertrauen ist groß. Wenn ich sage, ich nehme mir zwei Tage frei, dann ist das in Ordnung, solange die Arbeit gemacht ist.“ Insgesamt hat Kai den Schritt ins Hauptamt nicht bereut: „Es ist herausfordernd, aber auch spannend. Man kann viel gestalten, wenn man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.“



