"Ich freue mich auf das, was vor uns liegt"
Dr. Philipp Menny ist neuer Landesgeschäftsführer der Bergwacht Schwarzwald. Bleibt da noch Zeit für das Ehrenamt? Und welche Vision hat er für die Bergwacht?
Hell, einladend und weitgehend papierlos: So der erste Eindruck vom Büro des neuen Bergwacht-Landesgeschäftsführers. Es sind feine Neuerungen, die mit Antritt von Philipp Menny im Oktober 2025 zu bemerken sind. Der promovierte Volkswirt, Jahrgang 1979, stammt aus Badenweiler und hat nach seinem Studium in Köln als Unternehmensberater in München gearbeitet, bevor es ihn mit seiner Familie zurück in die Heimat zog. Dort folgten zehn Jahre als Inhaber und Geschäftsführer eines kleinen mittelständischen Unternehmens.
Philipp, wie bist du als Mitte 30-Jähriger auf die Idee gekommen, die Ausbildung zum Bergretter zu starten?
Ich habe die Ortsgruppe Sulzburg der Bergwacht damals bei einem Wintereinsatz am Kreuzweg-Lift erlebt. Die Arbeit, die dort gemacht wurde, hat sofort mein Interesse geweckt. Zum einen aus einer Outdoor-Affinität heraus. Zum anderen hat es mich angesprochen, wie ich die Gruppe als Gemeinschaft erlebte. Die Kombination aus Outdoor, Rettungsdienst und Gemeinschaft fand ich sehr bestechend.
Wie ging es weiter?
Ich habe bei der Ortsgruppe Sulzburg angefragt, wie ich als Über-Dreißigjähriger dazustoßen kann. Die Ortsgruppe kannte bisher eher den üblichen Weg, in relativ jungen Jahren über die Jugendbergwacht bei der Bergwacht zu beginnen. Meine Anfrage war dann Anlass, Werbung für eine Ü30-Anwärtergruppe zu machen.
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Wie kam es dazu, dass du dich für die Stelle als Landesgeschäftsführer ins Gespräch gebracht hast? Was hat dich daran gereizt?
Ich stand nach dem Verkauf meines Unternehmens vor der Frage, was ich mit meinem beruflichen Leben anfange. Das war gar nicht so einfach. Vor allem wenn du etwas machen möchtest, was mit einem gewissen Sinn verbunden ist. Dann überlegst du dir: Möchtest du in einen Konzern gehen? Ein Rädchen sein für eine Sache, für die du nicht wirklich brennst? Als ich dann bei einem Dienstabend gehört habe, dass Lutz Scherer sich in den Ruhestand verabschieden wird, bin ich zum ersten Mal auf die Idee gekommen: Mensch, das könnte doch was sein. Bergwacht ist etwas, was ich leidenschaftlich gerne mache, ein tolles Umfeld, eine gute Sache mit gesellschaftlicher Verantwortung. Und mit diesem Mix in Zukunft betraut zu sein, meine Erfahrungen einbringen zu können für etwas, das ich für gut und wichtig halte, das klang sofort sehr überzeugend.
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Dein Ausblick auf das kommende Jahr?
Ich freue mich auf das, was vor uns liegt. Es werden spannende Zeiten werden, auch für die Landesgeschäftsstelle, zum Beispiel in Bezug auf die personelle Entwicklung. Wir wollen in Ruhe bewerten, in welche Richtung sich die Landesgeschäftsstelle weiter entwickeln sollte. Im Vergleich zur Vergangenheit sind wir deutlich inhaltlicher unterwegs und versuchen, dem Ehrenamt noch stärker beratend zur Seite zu stehen.
Und allgemein dein Blick in die Zukunft für die Bergwacht?
Ich glaube, dass sich aktuell Zeiten anbahnen, die mit großer Wahrscheinlichkeit ruppiger werden für uns als Land und als Gesellschaft. Mit dieser Entwicklung kommt uns als Organisation eine besondere Verantwortung zu, in diesem sich verändernden Umfeld eine solide gesellschaftliche Stütze zu bilden. Und ich glaube, dass wir damit auch die Verantwortung haben die Organisation und ihre Mitglieder für diese herausfordernden Zeiten fit und resilient zu machen. Es ist unsere zentrale Aufgabe uns für diese Zeiten vorzubereiten, mit dem, was wir können, was uns ausmacht, was unsere Haltung kennzeichnet.
Was gibt dir Hoffnung?
Hoffnung gibt mir das Gefühl eine gesellschaftliche Verantwortung zu tragen und eine Aufgabe zu haben. Und was mir bei all den täglichen Nachrichten von Krieg und Krise weiter Hoffnung gibt, ist Teil einer Gemeinschaft mit ähnlicher Gesinnung und viel persönlichem Engagement zu sein. Zu wissen, dass nach wie vor viel Gutes passiert und viel Verantwortungsbewusstsein sowie Menschlichkeit vorhanden sind, über alle Altersgruppen hinweg. Ich bin fest überzeugt: Wenn ich diese Erfahrungen nicht jeden Tag machen würde, dann würde ich deutlich pessimistischer in die Zukunft blicken.
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Das Gespräch führte Kathrin Frenz
Das gesamte Interview mit Landesgeschäftsführer Dr. Philipp Menny finden Sie im TRITTSICHER-Heft Nr. 21



