Chronik
Wie alles begann
Die Ortsgruppe Sulzburg der wurde von Herrn Albert Meier, selbst seit 1928 Mitglied der
Bergwacht Heubronner Eck, am 29.04.1936 gegründet. Die ersten Bergwachtmänner Fritz Meier, Willi
Meier, Herrmann Hug und Herrmann Lier waren bereits Mitglied des Schwarzwaldvereins, als sie sich
zur ersten Versammlung der neuen Ortsgruppe unter der Führung von Albert Meier am 23.01.1937 im
Gasthaus Rebstock zusammenfanden. Weitere Mitglieder kamen hinzu. Von Anfang an lagen die
Schwerpunkte der Aufgaben im Naturschutz, der Betreuung eines riesigen Gebietes und der Bergung,
bzw. Rettung von verunglückten Wanderer und Skifahrer. Das Einsatzgebiet reichte vom Münstertal zum
Wiedener Eck über den Belchen ins obere Kleine Wiesental und von dort über den Haldenhof, Kreuzweg
und Sirnitz bis zum Blauen hinüber.
Die erste Rettungsstation, am 10.10.1937 auf der Kälbelescheuer eingerichtet, war am 12.
Dezember 1937 zum ersten mal mit zwei Mann besetzt und schon am folgenden Wochenende fand der erste
Abtransport eines Verletzten nach Bad Sulzburg statt. Weitere Stationen wurden im Gasthaus
Haldenhof, im Gasthaus Auerhahn (Sirnitz), Gasthaus Hirschen (Münsterhalde), Gasthaus Spielweg
(Münstertal) und im Gasthaus Neuhof (Münstertal) eingerichtet. Erreicht wurden diese Stationen mit
Postomnibussen und Fahrrädern, wobei jedoch der größte Teil und überwiegend zu Fuß oder mit Skiern
zurückgelegt werden musste. Aus einem Protokollbuch vom Oktober 1938 ist zu erfahren, dass die
Bergwachtmänner zur Teilnahme an einer Sanitätsausbildung auf dem Feldberg zunächst mit dem Fahrrad
zum Gasthaus Spielweg fahren und von dort zum Feldberg wandern mussten. Bedürftigen wurden die
Dienstauslagen für Verkehrsmittel und Gasthäuser ersetzt.
Die Ortsgruppe während des Krieges
Einschneidende Änderungen gab es durch die Einberufung vieler Kameraden zum Militär. Am ersten
September 1939 stand der Ortsgruppe nur noch fünf Mann zur Verfügung, dennoch wurde der Dienst
aufrecht erhalten. Ein Kamerad der eingezogen wurde, überließ der Bergwacht sein Fahrrad zu
Dienstzwecken. Es wurde auch ein Antrag gestellt auf Beurlaubung am Wochenende, für die in
Heimatnähe stationierten, damit sie ihren Dienst versehen können. Im Mai 1940 schloß sich die
Ortsgruppe Heubronn der Ortsgruppe Sulzburg an. Nachdem die Alliierten 1945 die
Deutsche Bergwacht aufgelöst hatten, wurden die Dienste von den wenigen Aktiven inoffiziell dennoch
fortgeführt. Am 22 Mai 1949 trafen sich ehemalige Mitglieder im Gasthaus zum Hirschen zur
Neugründung.
Unsere Hütte
Da der damalige Haldenhofwirt Konkurrenz befürchtete, musste man
sich auf den heutigen Standort einigen. Die Genehmigung wurde dann im Dezember 1958 für die Sirnitz
gegenüber dem ehemaligen Gasthaus Auerhahn erteilt und das Gelände vom Domänenamt Freiburg
unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Kosten für die neue Bergwachthütte konnten nur durch
großes Engagement aller, besonders des damaligen Vorsitzenden Albert Meier, in Grenzen
gehalten werden. Dennoch musste die Ortsgruppe damals ca. DM 2.500 durch Geld- und Sachspenden
aufbringen. Im Frühjahr 1960 wurde in Müllheim ein ausgedienter Kiosk gekauft, abgebaut und zur
Sirnitz transportiert. Am 22.03.1960 begann man mit dem Betonieren des Fundamentes auf felsigem
Grund und der Errichtung der Hütte. Im Juli 1960 wurde durch ein neues Dach zusätzlicher Raum
geschaffen und die Hütte gut in das Landschaftsbild eingepasst. Die Arbeiten gestalteten sich sehr
schwierig, da das Material von der tiefergelegenen Straße zur Baustelle hoch getragen werden mußte.
Am 26. Juni 1960 erfolgte bei einem Sommernachtsfest die Einweihung im Gasthaus Auerhahn. Die
Stadtmusik Sulzburg umrahmte damals das Fest. Heute misst die Hütte vier auf sechs Meter, hat eine
Kochnische, einen Schlafraum, einen Kachelofen, eine Toilette, einen Windfang und einen
Kohlenkeller. Man munkelt, daß beim Bau des Kohlenkellers am Tage gefeiert und bei Nacht und
Kerzenschein gemauert wurde. Heute wäre die Arbeit unserer Ortsgruppe ohne Diensthütte undenkbar,
auch wenn sie mittlerweile viel zu klein geworden ist.
So war der Dienst früher
Am Sonntag morgen, nachdem man sich in der Woche vorher abgesprochen hatte, traf man sich um
sieben Uhr, je nachdem, wo man Dienst machte, entweder bei Kamerad Albert Meier oder bei Kamerad
Hug (Schusterbude), im Winter mit Skier, in der schneefreien Zeit mit dem Fahrrad, den Rucksack
stets gefüllt mit Rettungsmaterial und Verpflegung. Das Fahrrad wurde dann bis zum Dienstende in
einer Scheune oder einer Höhle abgestellt. Es waren damals die Stationen Neuhof, Kälbelescheuer und
Sirnitz zu besetzen, an denen jeweils drei bis fünf Mann ihren Dienst taten. An den Talstationen im
Stampf oder im Waldkurhaus begann der Aufstieg. Wenn man Pech hatte, mußte man den Holzakia, wenn
er am vorigen Wochenende benötigt wurde, vom Tal auf die Station hochschleppen. Andere
Transportmöglichkeiten bestanden nicht. Auf der Rettungsstation, damals meist in Gasthäusern
untergebracht, meldete man sich zunächst bei den Wirtsleuten. Sie waren stets sehr aufgeschlossen
für die Arbeit der Bergwacht und stellten die Räume unentgeldlich zur Verfügung. Des öfteren wurden
sogar eine warme Suppe oder Kaffee gespendet. Zum Dienstbeginn wurden Streifen von zwei Mann
zusammengestellt, die das ganze zugehörige Gebiet zu überwachen hatten. Ihre Aufgabe war es, bei
Unfällen möglichst schnell Hilfe zu leisten, Waldhütten zu kontrollierten, zurückgelassene
Feuerstellen zu löschen, bzw. Feuer machen im Wald zu untersagen. Beanstandungen wurden jeweils in
einem Streifenbericht aufgenommen und dem jeweils zuständigen Forstamt angezeigt. Im Sommer lag das
Augenmerk besonders auf dem Naturschutz. Bei diesen Streifen wurden oft Märsche von 20 und mehr
Kilometer zurückgelegt. Im Winter führten wir in Skigebiete immer den Rettungsschlitten mit, um bei
einem notwendigen Abtransport sofort helfen zu können. Nach Beendigung des Dienstes, etwa eine
Stunde vor Dunkelheit, begab man sich wieder auf den Heimweg und freute sich, wenn nichts passiert
war.
Wenn man nun zurückblickt, als die Berge und entlegene Gasstätten noch nicht so erschlossen
waren wie heute und diese meist nur zu Fuß erreicht werden konnten, so war es doch eine schöne und
gemütliche Zeit, auch wenn es oft sehr viel Mühe und Schweiß gekostet hat.
Aus Beiträgen vom 7.Juni
1986, 50 Jahre Ortsgruppe Sulzburg.
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