Chronik
Auf eine Anregung des damaligen Präsidenten des Schwarzwaldvereines, Geheimrat
Dr. K. Seith, anläßlich der Hauptversammlung 1921, wurde am 19. März 1922 aus freiwilligen
Mitgliedern des Schwarzwaldvereines unter dem Vorsitz von Rechtsanwalt Pfefferle die Bergwacht
Abteilung Schwarzwald in Freiburg gegründet. Aus freien Stücken schlossen sich die "Naturfreunde",
die "Berglust", die "Freiburger Turnerschaft", der "Alpenverein", der "Schwimmsportverein", der
"Skiclub", der "Pfälzerwaldverein" und einige kleinere Vereine an und stellten Leute für den
Bergwachtdienst ab. Nur kurze Zeit später im gleichen Jahr wurde auch die Ortsgruppe Karlsruhe
gegründet. Während Freiburg den südlichen Schwarzwald betreute, wurde von Karlsruhe aus das Albtal
und der nördliche Schwarzwald bis hin zum Schliffkopf betreut. Die Tätigkeit im Naturschutz war
eine undankbare Aufgabe. Die Bergwachtleute wurden beschimpft und verspottet, und dennoch
versuchten sie gegen die bestehenden Zustände anzugehen. Langsam zeichneten sich Erfolge ihrer
Arbeit ab, und mit der Zeit erkannte auch der Staat die Notwendigkeit der Bergwacht. Polizei und
Gendarmerie unterstützten die Dienststreifen wo es nottat, bis endlich 1935 das
Reichsnaturschutzgesetz den vielfältigen Aufgaben eine rechtliche Grundlage gab.
Zuvor war es das Land Baden, das schon 1927 durch Verabschiedung der
Landesnaturschutzordnung, für eine eigenständige Behandlung dieser Probleme sorgte. Die Bergwacht
wurde von den Landes- und Bezirksnaturschutzstellen unterstützt. Jenen Idealisten der ersten 10
Jahre der Bergwacht ist es zu verdanken, daß selten gewordene Pflanzenarten wie Enzian, Arnika,
Silberdistel und heimische Orchideenarten wieder in erfreulicher Fülle im Schwarzwald zu finden
sind.
Die Arbeit der Bergwacht blieb jedoch nicht lange auf den Naturschutz
beschränkt. Der Skisport nahm nach dem ersten Weltkrieg eine ungeahnte Entwicklung. Das
ursprünglich verächtlich betrachtete "Brettlefahren" wurde zum Volkssport. Zahllose Menschen, denen
es an jeglichen Kenntnissen des Bergwinters und seiner Gefahren mangelte, führte der weiße Sport in
die Berge. Die Folgen waren von Jahr zu Jahr sich häufende Unfälle. Sanitätsorganisationen und
Skisportvereine konnten mit ihren Mitteln diese Probleme nicht bewältigen.

Hier waren wieder die Männer der Bergwacht gefragt, die die Eigenheiten der
Natur und der Landschaft kannten. Zunächst richtete man Streifendienste ein, um Verletzten Hilfe zu
bringen. Auf diese Art und Weise konnte man jedoch nicht auf Dauer arbeiten. So wurde beschlossen,
in den Zentren des Skisports, damals Feldberg, Schauinsland und Hornisgrinde, Rettungsstationen zu
errichten. Schon 4 Jahre nach Gründung der Bergwacht fand man die ersten Rettungsstationen am
Feldberg und auf der Hornisgrinde. Die Zu-nahme des Skilaufes erforderte, daß weitere Stationen und
Materialdepots errichtet wurden. In der Zeit zwischen 1928 und 1930 hat man im nördlichen
Schwarzwald in Höhenhotels, auf Skihütten und Naturfreundehäusern Sanitätsmaterial und Schienen
gelagert. Damit schuf man die Grundlagen für spätere Stationen. Im Jahre 1932 zählte man im
Nordschwarzwald bereits 18 Stationen. Bis zum Jahre 1937 erfolgte die Leitung der Bergwacht
Abteilung Schwarzwald von Freiburg aus. Am 15.7.1937 wurde auf Grund gesundheitsbedingten
Ausscheidens des damaligen Vorsitzenden, Kamerad Berne, die Leitung der Bergwacht, dem damals
verdienten Leiter der Ortsgruppe Karlsruhe, Karl Speck, übergeben. Dadurch kam der Sitz der
Abteilung nach Karlsruhe.
Die ersten bergwachteigenen Diensthütten entstanden. Karlsruhe baute die eigene
Diensthütte 1938/39 auf der Hornisgrinde. Feste Unterkünfte fand die Ortsgruppe Karlsruhe zur
damaligen Zeit im Kurhaus Unterstmatt und bei "Tante" Anna Klumpp im Hotel Ruhestein. Der
Rettungsdienst fand somit auf der Ofenbank in den Wirtsstuben statt. Während des zweiten
Weltkrieges wurden die freiwilligen Helfer immer weniger. Dennoch wurde der Dienst so gut es ging
aufrecht erhalten.

Im Jahre 1947 nahm in Freiburg, nach seiner Rückkehr aus der
Kriegsgefangenschaft, Adolf Friedrich die Verbindung mit den zuständigen Behörden und der
französischen Militärregierung auf, um die formelle Wiedergründung der Bergwacht zu erreichen.
Diese erfolgte am 30. August 1948. Zur gleichen Zeit leistete in der amerikanischen Zone Karl Speck
die entsprechenden Vorarbeiten, so daß im April 1950 die Bergwacht Schwarzwald als selbständiger
Landesverband mit Sitz in Freiburg gegründet und ins Vereinsregister eingetragen werden
konnte.
Um die Zusammenarbeit mit den wiederentstandenen Verbänden Bayern, Württemberg
und Hessen zu vertiefen, gründete man 1955 die "Arbeitsgemeinschaft der Bergwacht Landesverbände".
Sie ist auch in der bald danach gegründeten IKAR (Internationale Kommission für alpines
Rettungswesen) vertreten.
Am 20. September 1959 übernahm Walter Böcherer aus Freiburg als
Landesvorsitzender die Leitung der Bergwacht Schwarzwald. Er verstand es, den Weg für die Bergwacht
zu finden, der ihr zu ihrer heutigen Anerkennung verhalf. Eine Satzungsänderung, die jeden
Bergwachthelfer zum Einsatz im Katastrophenfall verpflichtet, führte dazu, daß die Bergwacht
Schwarzwald, in Verbindung mit dem Erlaß des Innenministeriums Baden-Württembergs vom 17.09.73,
auch als Katastrophenschutzorganisation anerkannt ist und somit Freistellungen von Mitgliedern im
Rahmen des Katastrophenschutzes durchführen kann. Weiter war es erforderlich, daß die Bergwacht
auch als Rettungsorganisation anerkannt wurde. Nach langen, schweren Verhandlungen mit den
Innenministerien des Landes war es 1975 soweit. Am 10.06.75 wurde das erste
Landesrettungsdienstgesetz erlassen, und darin wurde die Bergwacht als sogenannte
Spezialorganisation im Rettungsdienst gesetzlich anerkannt.

Damit waren auch die Weichen gestellt, die finanzielle Situation der Bergwacht
neu zu regeln. Weitere Aufgaben waren die Straffung der Ausbildung in den Ortsgruppen, einheitliche
Prüfungsgrundsätze für die Anwärterprüfung zu erstellen, die zentrale Beschaffung von Material und
Ausrüstungsgegenständen einzuführen, wie die Weiterentwicklung der Ausbildung, das heißt Anpassung
an die neuesten Erfordernisse im Rettungsdienst.
All diese Aufgaben werden fast ausschließlich im ehrenamtlichen Bereich
geleistet, sei es in der Landesleitung wie in den Ortsgruppen.
Die Ortsgruppe Karlsruhe hatte nach dem 2. Weltkrieg noch einen langen Weg vor
sich, bis sie ihre heutige Rettungswache bauen konnte. War man zunächst im Hotel Unterstmatt im
"Bügelzimmer" untergebracht, erhielt man in dem 1953/54 wiederaufgebauten Nebengebäude einen
kleinen Raum von 14 Quadratmetern mit fließendem Wasser und Strom. Geheizt wurde mit Holz oder
Kohle. Je nach Anzahl von Verletzten konnte man überlegen, ob die Dienstmannschaft oder die
Verletzten den Raum belegen sollten. Als 1959/60 auf Initiative des Skiverbandes Nord und der Stadt
Karlsruhe das Skistadion Ochsenstall entstand, war auch hier eine Rettungsstation erforderlich. Es
bedurfte der Verhandlung mit der Gemeinde Sasbachwalden, um die Genehmigung zur Errichtung der
Rettungsstation Ochsenstall zu erhalten. Der Vertrag mit der Gemeinde Sasbachwalden konnte
abgeschlossen werden, und nach einem arbeitsreichen Jahr konnte am 4. November 1961 die
Rettungsstation offiziell ihrer Bestimmung übergeben werden. Rechtzeitig zur Übergabe meldete sich
an diesem Tag der Winter an und legte das Gebiet um den Ochsenstall in ein weißes Kleid. Die
weitere Erschließung des Gebietes um den Ochsenstalls führte entsprechend zu mehr Verletzten, die
wiederum in dem kleinen Dienstraum auf Unterstmatt bis zum Abtransport durch den Rettungsdienst
gelagert werden mußten.

1965 entstand der zweite Skihang auf Unterstmatt. Die Verhältnisse in dem
kleinen Raum wurden immer unerträglicher, so daß nach Abhilfe gesucht werden mußte. Die schlechte
wirtschaftliche Lage zum damaligen Zeitpunkt führte dazu, daß über die Landesregierung keine
Möglichkeit zur Bezuschussung des Bauvorhabens der Bergwacht erfolgen konnte. Anfang 1971 reiften
Pläne zur gemeinsamen Errichtung einer Rettungsstation zwischen Bergwacht Schwarzwald und Rotes
Kreuz Bühl heran. Am 9. März 1971 konnte schon der erste Spatenstich erfolgen. Dank des
Bundeswehrbataillons Speyer konnten 500 Kubikmeter Erdreich und Gestein in kürzester Zeit
ausgehoben werden.
Der 8. November 1971 war ein besonderer Festtag. Die gemeinsame Station konnte
ihrer Bestimmung übergeben werden. Endlich hatte man eine Station (heute wird sie als Rettungswache
bezeichnet), in der die gesamte Dienstmannschaft einschließlich Familienangehörige übernachten
konnten. Alles ist in diesem Gebäude vorhanden: Sanitätsräume, Küche, Dienst- und Aufenthaltsräume,
eine große Garage für das Einsatzfahrzeug sowie das Rettungsgerät und später auch für den
Motorschlitten. Hier entstand ein Gebäude, das somit den Erfordernissen des Bergrettungsdienstes
entsprach.

Die Jahre vergehen, das Freizeitverhalten hat sich stark verändert. Vor 20
Jahren fand Freizeit fast ausschließlich an Wochenenden statt. Inzwischen wird Freizeit über die
ganze Woche verteilt. Wird sich der klassische Wochenenddienst in Zukunft noch halten können? Bei
gesteigerten Freizeitaktivitäten unter der Woche werden auch entsprechend die Unfälle zunehmen. Im
Winter hat man im Bereich des Feldberges bereits die Skiwacht errichtet. Hier sind Bergwachthelfer
unter der Woche hauptamtlich beschäftigt und am Wochenende wird von der Bergwacht wieder der
ehrenamtliche Dienst übernommen. Dies ist jedoch nur möglich, da der Deutsche Skiverband die
finanzielle Grundlage für diesen Dienst übernommen hat.
Gibt es Mittel und Wege, die einen solchen Dienst auch im Sommer ermöglichen? Da
nicht der gesamte Schwarzwald mit einem Sommerdienst versehen sein muß, ist zunächst an eine
schwerpunktmäßige Betreuung bestimmter Gebiete gedacht, wie größere Klettergebiete oder
Freizeiteinrichtungen (wo gezielt Mountainbiking, Gleitschirmfliegen und ähnliches betrieben
wird).
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