
Freiburger Münster
Das teilweise im romanischen, hauptsächlich jedoch im gotischen Stil erbaute
Münster Unserer Lieben Frau (ULF) ist Bischofssitz und römisch-katholische Stadtkirche Freiburgs.
Die Bergwacht Freiburg hat einen besonderen Bezug zu diesem imposanten Baudenkmal, weil sie zum
einen maßgeblich für den Rettungsdienst in dessen luftigen Höhen verantwortlich ist und zum anderen
sich beim Erhalt des Kulturdenkmals engagiert.
Rettungsdienst
Das Besteigen des Münsterturmes über enge Treppen bis auf die obere Galerie
ist ein Erlebnis für viele Menschen. Pro Jahr steigen mehr als 170.000 Besucher die 330 Stufen auf
den Turm hinauf. Wenn sich am Fuß des durchbrochenen Turmhelms allerdings ein medizinischer Notfall
ereignet, werden die Rettungskräfte vor eine anspruchsvolle Aufgabe gestellt. Ein Herzinfarkt oder
schon ein verstauchter Knöchel können bei Versorgung und Transport größere Probleme bereiten, da
die engen Treppen eine konventionelle Rettung verhindern.
Je nach Unfallort werden verschiedene Methoden angewandt, um einen Patienten
nach unten zu transportieren. Die Bergwacht arbeitet hierbei mit dem bodengebundenen Rettungsdienst
und der Feuerwehr zusammen.
Geschichte des Rettungskonzeptes
Ende des Jahres 2000 lieferte ein tödlicher Zwischenfall auf der oberen
Galerie der
Südbadischen Interessengemeinschaft Rettungswesen
e.V. (SIGR)
den Anlass, zusammen mit allen Beteiligten ein Rettungskonzept zu erarbeiten,
welches in praxi erprobt wurde. Im Juli 2001 wurde die erste größere Übung durchgeführt, welche
diverse Probleme (v.a. Transport von der Türmerstube nach unten) aufzeigte, die in den Folgejahren
angegangen wurden. Auch im Juni 2005 und 2006 fanden weitere Rettungsübungen statt, bei welchen das
überarbeitete Rettungskonzept erprobt wurde. Anlässlich der umfangreichen Turmsanierung wurden 2007
die Verfahren aktualisiert und in Fortbildungsveranstaltungen weitergegeben.
Rettungsverfahren
Die rettungsdienstliche Absicherung des Münsters beruht auf mehreren
Komponenten. Zum einen ist als 'Hilfe zur Selbsthilfe' auf dem Turm ein
AED-Gerät untergebracht, welches vom Turmwärter und sonstigen
Anwesenden bei einem Kreislaufstillstand eingesetzt wird und so zusammen mit den
Erste-Hilfe-Basismaßnahmen das Zeitintervall bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken
kann. Zum anderen kann der Rettungsdienst durch regelmäßige Aktualisierung des Einsatzkonzeptes
eine zügige Versorgung gewährleisten. Das Personal ist in die Abläufe eingewiesen. Trotz aller
Vorsorge und Optimierung muss man sich bewusst sein, dass eine Rettung in exponierter Lage
naturgemäß deutlich länger dauert, als wenn sich ein Notfall "auf der Straße" ereignet.
Bei einem Notfall am Münster werden zeitgleich Rettungswagen, Notarzt (je nach
Notfallbild) und die Bergwacht alarmiert. Polizei und Organisatorischer Leiter (OrgL) – der
Einsatzleiter des Rettungsdienstes – sorgen für die reibungslose Abwicklung auf dem Münsterplatz
(freie Anfahrt, Absicherung, Kommunikation). Die Besatzung des Rettungswagens und der Notarzt sind
in der Regel wenige Minuten nach Alarmierung am Hauptportal und versorgen den Patienten. Die
SEG
der Bergwacht Freiburg ist ebenfalls normalerweise eine Viertelstunde nach Alarmierung am
Münster.

Je nach Unfallort und Patientenzustand muss die Versorgung und Rettung
flexibel gehandhabt werden. Die Drehleiter der Feuerwehr ist eine bequeme Rettungsmöglichkeit, die
allerdings nur an die unteren Abschnitte des Münsters heranreicht. Weiter "oben" wird die
Höhenrettungstechnik der Bergwacht eingesetzt. Je nach Unfallort wird der Patient entweder mit dem
Bergesack oder einem
Rettungssitz am Baugerüst oder an der Fassade
zusammen mit Bergretter und evtl. Notarzt abgelassen. Dafür wird ein Standplatz mit einem
Bremssystem errichtet, von welchem zwei Seile über eine Umlenkung oberhalb des Notfallortes zum
Patienten und Bergretter führen. Mit einem Hilfsseil, das auch seilbahnartig eingesetzt werden
kann, werden Stufen am Baugerüst oder an der Fassade bequem und zügig überwunden. Vorhandene
Bauaufzüge können ebenfalls für den Transport des Patienten und des Rettungspersonals genutzt
werden. Falls der Bauaufzug defekt sein sollte, kann die Rettung mit herkömmlichen
Höhenrettungstechniken erfolgen. So ist eine Redundanz gewährleistet.
Der Transport eines Patienten in einer engen Wendeltreppe ist sehr schwierig
und hat uns 2001 vor größere Probleme gestellt. Mittlerweile wenden wir eine Rettungstechnik an,
die auch im Vatikan gebraucht wird: Im Innern der Wendeltreppe wird ein Seil mit Bremssystem
befestigt. Der Patient wird
in einem
Rettungssitz von einem Bergretter von der
Treppe weggezogen und gleichzeitig von oben abgelassen.
Der Einsatz der
REGA für
eine Windenrettung mit dem Hubschrauber ist am Münster normalerweise nicht erforderlich und wäre
auch mit Problemen verbunden, da Fixpunkte für die Orientierung des Piloten im dreidimensionalen
Raum fehlen – man benötigt hierfür eine speziell ausgebildete Helikoptercrew – und der Abwind der
Rotoren eine Gefährdung darstellen kann, welche man an dieser Örtlichkeit im Regelfall vermeidet.
Bauerhalt
Das
Münster
ULF bedarf wie jedes historische Bauwerk eines kontinuierlichen Bauunterhaltes. Die Arbeiten
werden von der Münsterbauhütte und Fremdfirmen durchgeführt und von der Münsterbaumeisterin
Yvonne Faller koordiniert. Die Bergwacht unterstützt die Bauarbeiten durch
Sicherungstätigkeiten in luftiger Höhe. Ebenso kommen wir bei Unfällen im Rahmen der Bautätigkeit
zum Zuge. Zur Dokumentation haben wir eine eigene
Webseite
eingerichtet.
Links zum Thema:
Erzdiözese Freiburg,
Katholische
Kirche Freiburg,
Wikipedia
Sanierungsinitiative
"Wir bauen mit";
http://www.freiburger-muenster.info/ (neue
Webseite)
Südbadische Interessengemeinschaft Rettungswesen e.V (SIGR):
Projektübersicht, Artikel zum Rettungskonzept (pdf, 600 kB) von
Christoph Lippay in der Fachzeitschrift "
Rettungsdienst"
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