Die Chronik

Der höchste Berg des mittleren Schwarzwaldes, der Kandel, wurde lange Zeit nicht von der Bergwacht betreut. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs seine Beliebtheit als Skiberg. So war es eine dringende Notwendigkeit, im Jahre 1952 in Waldkirch eine Ortsgruppe zu gründen. Heute ist die Ortsgruppe nicht nur für den Winter- und Sommerrettungsdienst am Kandel, sondern auch für den ganzen Landkreis Emmendingen zuständig. Die Popularität des Kandels als Drachen- und Gleitschirmfliegerzentrum stellt die Ortsgruppe immer wieder vor neue Herausforderungen.

Wie alles begann ...

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Dieses Bilddokument belegt eine der ersten Bergungen von Verunfallten auf dem Kandel um 1900. Die Chronisten sagen, dass dies jedenfalls vor 1910 war. Die Telefonleitung auf dem Bild soll nicht über das Alter dieses Dokuments hinwegtäuschen, denn sie wurde schon 1888 zur Eröffnung des Kandelrasthauses verlegt.

Um diese Zeit wurde schon  am und auf dem Kandel kräftig Ski gefahren, was dann im Jahre 1901 zur Gründung des Skiclubs führte. 1924 gab es schon über 1000 Zuschauer bei Kandel-Skiwettkämpfen. Dieser Skibetrieb führte natürlich auch leider zu Unfällen. Johann Bernasconi hat damals als DRK–Mann viele Skiunfälle versorgt. 1938 trat Johann Bernasconi in den Skiclub ein und war dort als Vorstandsmitglied und zugleich als Sanitätswart tätig. Auch ein Arzt ( Dr. Hans Richter ) gehörte der Vorstandschaft an.

Es gab viele beschwerliche Abtransporte. Zum Teil mussten die Verunfallten auf dem Rücken getragen werden. Einen entsprechenden Schlitten gab es nicht und ein Fahrzeug auf der Straße konnte nicht eingesetzt werden, weil diese nicht geräumt war. Verletzte mussten buchstäblich ins Waldkircher Krankenhaus getragen werden.

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Behelfsmäßiger Abtransport eines Ski-Verunfallten

Im Jahre 1942 konstruierte das Skiclub-Vorstandsmitglied Ingenieur Oskar Walter einen Rettungsschlitten, eine Kombination aus Krankentrage, Ski und Räder zum Transport auf der Kandelstraße so wie das untenstehende Bild zeigt.

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Universelles Rettungsgerät

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Bergauftransport mit altem Holz-Akia

Nach dem 2. Weltkrieg fuhr man wieder Ski, man wanderte und kletterte und erholte sich in der Natur. Besonders im Skisport kam es zu einem regelrechten Aufschwung.

Im Schwarzwald gab es bereits seit 1922 eine Bergwacht mit einer zunehmenden Zahl an Ortsgruppen, die erfolgreich im Rettungsdienst und Naturschutz tätig waren. Nach dem Verbot der Organisation 1945 und der Wiederzulassung 1950, kam es dann im Jahr 1952 auch in Waldkirch zur Gründung der Ortsgruppe.

Die Gründungsversammlung

Abschrift aus dem Protokollbuch:

Am Samstag, den 27. September 1952 fanden sich im Gasthaus "Zur Kastelburg" etwa 30 Interessenten, insbesondere aus den Reihen des Schwarzwaldvereins, des Skiclubs Kandel und der Naturfreunde, zur Gründungsversammlung der Ortsgruppe Waldkirch im Landesverband der Bergwacht Schwarzwald e. V. ein.

Waldmeister Seeger, der erste Vorsitzende des Schwarzwaldvereins, leitete zunächst die Versammlung. Zugegen waren u. a. auch der Landesvorsitzende der Bergwacht Schwarzwald,  Adfolf Friedrich, aus Freiburg, von der Kreisnaturschutzstelle, Prof. Fischer, Stadtrat Reiser, Forstrat Keller und der Arzt des Roten Kreuzes, Dr. Kobold.

 

Waldmeister Seeger wies auf die Notwendigkeit der Gründung einer Ortsgruppe in Waldkirch hin und führte u. a. an, dass es doch nicht  anginge, dass Motorräder und Autos auf dem Kandel bis zur Pyramide hinaufführen und selbst auf den abgelegensten Waldwegen erholungssuchende Menschen belästigten.

Anschließend behandelte der Landesvorsitzende der Bergwacht Schwarzwald, Adolf Friedrich, in einem ausführlichen Referat die Aufgaben und Ziele der Bergwacht.

Die Arbeit der Bergwacht teile sich in Sommer- und Winterdienst. Im Sommer ist es die hilfspolizeiliche Maßnahme gegen die "Unvernünftigen". Im Winter gilt es besonders den Verunglückten und Erschöpften die "Erste Hilfe" zu bringen.

Dr. Kobold erklärte sich bereit, den Sanitätskurs durchzuführen und die Bergwachtmänner in einem Erste-Hilfe-Kurs mit 8 Doppelstunden auszubilden.

Kamerad Friedrich betonte, dass die Winterarbeit allgemein gern aufgenommen wird. Unangenehmer für beide Teile sei die Sommerarbeit, denn da müssten Leute in gewisse Schranken gewiesen werden. Eine wesentliche Aufgabe, so Friedrich weiter, sei die Arbeit im Naturschutz. Die Tier- und Pflanzenwelt sei der Schmuck unserer Heimat, und diesen Schmuck zu erhalten, sei im Zusammenwirken mit den Naturschutzstellen vornehmste Aufgabe der Bergwacht.

Friedrich wies darauf hin, dass der Bergwacht vollste Unterstützung von behördlicher Seite gewährt wird und dass diese Organisation durch ihre gemeinnützige Tätigkeit durch Ministererlass anerkannt ist. Die BW-Männer erhalten einen Ausweis, der sie zu hilfspolizeilichen Maßnahmen berechtigt.

Die Ausführungen von Herrn Friedrich können in dem einen Satz zusammengefasst werden:

"Schutz dem Menschen vor der Natur – Schutz der Natur vor dem Menschen."

Die Herren Fischer von der Naturschutzstelle und Stadtrat Reiser erklärten sich bereit, bei der Ausbildung der BW-Männer mitzuwirken. Stadtrat Reiser war der Ansicht, dass sich die Bergwacht in zwei Abteilungen teilen müsse, und die Männer je nach ihrer Eignung für den Sommer- oder den Winterdienst ausgebildet werden sollten.

Nachdem die Anwesenden über die Arbeit der Bergwacht unterrichtet waren, schritt Waldmeister Seeger zur Wahl des neuen Vorstandes. Dieser Vorgang war sehr rasch abgewickelt und hatte folgendes Ergebnis:

1 . Vorsitzender Johann Bernasconi
Stellvertreter Adolf Rümmele jr.
Rechner Max Ganter
Schriftführer Bernhard Fey

Johann
Johann Bernasconi

Damit fand die erste Versammlung ihren Abschluss.

4 Tage später, am 1. Oktober 1952 kamen der Vorstand und weitere Interessenten wieder im Gasthaus " Zur Kastelburg" zusammen. Dort wurden dann die weiteren Mitglieder, die zusammen mit der Vorstandschaft, die Gründungsmitglieder bildeten, aufgenommen.

Die Gründungsmitglieder

Johann Bernasconi, Hans Bernasconi, Horst Brinkmann, Richard Disch, Ernst Disch, Walter Exner, Bernhard Fey, Max Ganter, Otto Hauck, Karl Haberstroh, Josef Hoch, Heinz Jungbluth, Otto Jungbluth, Gerhard Keller, Erwin Kaiser, Heinrich Muth, Emil Stocker jr., Gustav Moser, Erwin Mössner, Bruno Rosenblatt, Adolf Rümmele jr., Josef Seeger, Otto Schindler, Manfred Schill, Fritz Storz, Josef Tritscheller, Hans Vollmer, Wilhelm Wintermantel. 

Am Rande Bemerkt...

Als man die Liste der Mitglieder aufschreiben wollte, hatte niemand was zum Schreiben dabei. Waldmeister Seeger zog daraufhin einen Bleistift aus der Jacke und spendierte diesen der Bergwacht als Grundstock. Darauf wurde dann erfolgreich aufgebaut.

Wie ging es weiter?

Die 50ziger Jahre

Unsere erste Unterkunft auf dem Kandel war ein Zimmer im alten Kandelhotel. Dieses Zimmer wurde in Eigeninitiative ausgebaut. Der erste Rettungsschlitten war ein Holzakia ( ähnlich einem Boot ).

Die 60ziger Jahre

Anschaffung der ersten teilbaren Alu-Akias und Bergwachtschienen.

Ende 1966 mußten wir unser Unfallzimmer im Kandelhotel räumen. Die nächsten 2 Jahre mußten wir uns mit einem Waldarbeiterwagen als Unfallstation begnügen.

Notunterkunft

Das Jahr 1967 war dann das Jahr des Hüttenbau's. Am 25. August 1967 wurde das Richtfest gefeiert, und am 30.September 1968 wurde die Hütte ( Bergrettungswache ) offiziell eingeweiht.

Die 70ziger Jahre

1970 verunglückte unser Kamerad Arno Burger in den Bergen tödlich. 1971 verstarb unser 1. Vorsitzender und Mitbegründer der Bergwacht Johann Bernasconi, sowie das Gründungsmitglied Waldmeister Seeger. Neuer Vorsitzender der Bergwacht wurde Kamerad Willi Weingarten.

Die Beschaffung von Funkgeräten, Stahlseilgerät, Gebirgstrage sowie die Anschaffung eines Einsatzfahrzeuges standen an.

Ab 1972 war die Bergwacht auch offen für weibliche Mitglieder.

1974 brannte das Kandelhotel wieder ab.

1977 wurde Kamerad Helmut Schölzel neuer Naturschutzwart.

Gegen Ender der 70ziger Jahre etablierte sich am Kandel eine neue Sportart, das Drachenfliegen.

Die 80ziger Jahre

1983 löste Dr. Hajo Wohlleben unseren bisherigen Bergwachtarzt Dr. Kobold ab.

Am 16. Mai 1985 konnte das neue Rettungszentrum in Waldkirch, wo alle Helferorganisationen vereint sind eingeweiht werden.

Im Januar 1987 bekamen wir den ersten Motorschlitten SKI-DOO, und unser Kamerad Leonhard Ganter wurde neuer 1. Vorsitzender.

1988 musste ein neues Einsatzfahrzeug beschafft werden.

1989 war ein tragisches Jahr für uns, unser langjähriger Naturschutzwart Helmut Schölzel verunglückte in den Bergen tödlich.

          nino

Die 90ziger Jahre

Die Bergwacht beteiligte sich beim alljählichen Stadtfest in Waldkirch um den Etat aufzubessern, und Matthias Müller wurde neuer 1. Vorsitzender der Bergwacht und Reni Schöpflin seine Stellvertreterin.

1998 wurde an unsere Rettungswache auf dem Kandel eine Garage für unseren Motorschlitten angebaut.

Bergrettungswache Kandel

Das Jahr 2000

Vorbereitung zu unserem Jubiläum.

Im September 2002 feierten wir das 50. jährige bestehen unserer Ortsgruppe.

 

Gruppenbild 2002

Unsere Mitglieder im Jubiläumsjahr 2002

2003 wurde Fridolin Löffler unser neuer 1. Vorsitzender, Hans Bernasconi wurde als techn. Leiter von der Ortsgruppe verabschiedet.

Die Ortsgruppe erhält einen Defibrillator AED von Schiller.

2004 starteten wir einen Spendenaufruf in Waldkirch für ein neues Fahrzeug. Die Resonanz der Bevölkerung war überaus positiv.

2005 wurde unser alter VW-Kombi aus altersgründen ausgemustert,wir erhalten einen VW-T5 Syncro.

Bergwacht im Schnee