Zeitungsbericht aus der BZ über den Winter 2005/2006 bei der Bergwacht
Badische Zeitung vom Montag, 27. März 2006
“Für uns ist dieser Winter normal”
Die Bergwacht rettet nicht nur verletzte Ski- und Snowboardfahrer / Ein Besuch bei der
Ortsgruppe Todtnauberg Von unserem Mitarbeiter Ralf H. Dorweiler
TODTNAUBERG. Tiefziehende Wolken bleiben am 1386 Meter hohen Stübenwasen hängen, dem Hausberg
Todtnaubergs. Während in den tiefer liegenden Gemeinden des Kreises schon erste Frühlingsblumen
blühen, ist hier oben Weiß die vorherrschende Farbe. Etwa sechzig bis siebzig Zentimeter Schnee
warten auf den kommenden Frühling. “Es soll bald Föhn geben, dann wird wieder etwas Schnee
verschwinden” , sagt Christian Rotzinger, Skiwachtmann der Bergwacht. Bis auf ein paar
gelegentliche Anrufe ist es am Freitagnachmittag ruhig im Haus der Bergwacht, Ortsgruppe
Todtnauberg. Die vier betreuten Lifte sind geschlossen und die im Winter häufigste Klientel der
Bergwacht, verletzte Ski- oder Snowboardfahrer lassen sich nicht blicken.
64 Einsätze hat die Bergwacht seit Dezember zu verzeichnen. Das sind 16 mehr als im Vorjahr. Und
die meisten davon waren Skifahrer mit Knieverletzungen. “Mit der modernen Skiausrüstung sind
Fußgelenke und Unterschenkel gut geschützt” , erklärt Rotzinger, selbst
leidenschaftlicher Skifahrer. “Da wirken die Kräfte dann aufs nächste Gelenk.” Die Bergwacht wird
gerufen, wenn ein Rettungsdienst in unwegsamem Gelände er
forderlich ist.
Zu erreichen ist sie über die Rettungsleitzentrale mit der Telefonnummer 112. Per Telefon oder
Funk kommt die Meldung nach Todtnauberg, und dann geht alles ganz schnell. Ein Geländewagen und ein
moderner Motorschlitten mit Rettungsanhänger stehen dem Verein zur Verfügung, um einen Verletzten
zu erreichen. In wirklich komplizierten Fällen muss es auch schon einmal der Rettungshubschrauber
sein, der aus Basel oder Freiburg angefordert wird und in der Regel in einer viertel Stunde vor Ort
ist. Etwa fünfzehn Mal war das in dieser Wintersaison nötig. “Manchmal rufen uns die Leute nicht,
weil sie denken, das wäre zu teuer” , sagt Rotzinger, als er auf den Motorschlitten zu einer
Routinerunde steigt. “Dabei kommt dafür die Versicherung auf” , sagt er und braust die Piste
hinauf.Rotzinger ist im Winter drei Monate hauptamtlich für die Bergwacht tätig. An Wochenenden
sind seine ehrenamtlichen Vereinskameraden in der Station eingeteilt. Bei nur 31 aktiven
Mitgliedern und einem besonders langen Winter heißt das viel Arbeit für jeden. Aber so besonders
findet Rotzinger den Winter nicht. “Dieses Jahr hat es halt auch weiter unten mal mehr geschneit.
Für uns ist das normal” , sagt er lapidar. “Und unsere Ehrenamtlichen sind gerne hier. Die sind
nämlich auch alle eifrige Skifahrer.” Denn nicht nur Rettung gehört zu den
Aufgaben der Bergwacht. Noch mehr Arbeit macht die Prävention. Dafür fahren die Bergwachtler Pisten
ab und erkennen früh, ob sich eventuelle Gefahrenherde auftun. “Manchmal bildet sich ein Graben,
den schütten wir dann zu, damit nichts passiert” , sagt Rotzinger.
Aber es gibt auch Fälle, bei denen Vorbeugung nichts hilft. Wie vorletzten Sonntag, als ein
Liftangestellter sich bei einem unglücklichen Sturz den Halswirbel brach. Dank der schnellen Hilfe
der Bergwacht wird der Mann wieder laufen können, kam als Rückmeldung von der Freiburger Uniklinik.
Und manchmal gibt es auch skurrile Einsätze. Etwa als ein Hund die Todtnauer Wasserfälle 50 Meter
herabstürzte. “Dem Tier ist so gut wie nichts passiert, aber es lag auf einem Vorsprung. Als wir
bei dem Schäferhund waren, waren wir froh, dass der uns nicht biss” , lacht Rotzinger. Auch im
Fernsehen war die Bergwacht Todtnauberg bereits. RTL drehte für die Sendung “Notruf” einen Unfall
nach und die echten Rettungskräfte durften zeigen, was in Ihnen steckt. “Das hat ein bisschen Geld
in die leere Kasse gespült” , sagt Christian Rotzinger, der am Berg von seinem Schlitten
abgestiegen ist und den Blick über Todtnauberg genießt.
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