Chronik
Als im Sommer 1965 der Skilift im Ortsteil Neuhof gebaut wurde, stellte sich die Frage wer den Pistenrettun gsdienst sicherstellt. Durch die räumliche Nähe wurde bei der schon fast 10 Jahre bestehenden Ortsgruppe Wieden angefragt.Aufgrund der schon bestehenden Lift- und Loipenanlagen im eigenen Gebiet sah sich dieMannschaft aus Wiedennicht in der Lage die Piste im Neuhof zusätzlich zu betreuen. Als sich dann Anfang des neuen Winters ein Skiläufer bei der Abfahrt vom Branden einen Beinbruchzuzog, wurde der damalige Wiedener Vorsitzende Egon Wissler alarmiert und machte sich mit einer Mannschaft sowie Akia (Rettungsschlitten) zu Fuß auf den Weg Richtung Branden. Bis dem Verletzten geholfen werden konnte, vergingen gut 3 Stunden. Dies war Anlass genug sich Gedanken über eine eigene Bergwacht im Münstertal zu machen.
Nun wurden geeignete Männer im Tal gesucht, die sich bereit erklärten sich in den Dienst der Bergwacht Schwarzwald e.V. (BWS) zu stellen und nach der Grundausbildung die Ortsgruppe Münstertal zu gründen.
Fridolin Gutmann (bereits ausgebildetes Mitglied der OG Freiburg)
Willibald Burgert,
Werner Gutmann,
Egon Hoffmann,
Herbert Hoffmann,
August Muckenhirn,
Helmut Sayer,
Otto Schelb,
Gerhard Schneider,
Bernhard Steffe,
Franz Steiger,
Siegfried Steiger und
Rudolf Gutmann
... erklärten sich bereit bei der Bergwacht mitzuarbeiten.
Als dann am 18.11.1966 in den Räumen des “Mit-Initiators” für die neue Ortsgruppe, Hans-Jörg Fuchs (Spielweg Wirt), die Gründungsversammlung stattfand, wurde Gerhard Sc hneider zum 1. Vorsitzenden gewählt. Die Ausbildung hatte schon Monate vor der Gründungsversammlung bei der Ortsgruppe Wieden begonnen. Deshalb konnte auch schon im Winter 1965 / 66 mit dem Dienst am Neuhoflift begonnen werden. Außerdem schickten sie mindestens einen ausgebildeten Bergwachtmann ins Münstertal um uns zu unterstützen. Nach der offiziellen Gründung fand jeden Freitag Abend eine Ausbildung statt. Diese wurde von Hans-Jörg Gschwinder (Landesleitung) geleitet. Im April 67 legten dann 12 Anwärter, unter widrigen Wetterverhältnissen, auf dem Seebuck ihre Prüfungen ab. Alle bestanden mit sehr guten Ergebnissen. Nach den Prüfungen wurden die Ausbildungen vom Technischen Leiter, Fridolin Gutmann, durchgeführt. Die junge Ortsgruppe fand in den Räumen der Spielwegschule einen Platz für ihre Dienstabende und Ausbildungen. Das Material wurde bei unserem Sanitäts- und Sachwart, Helmut Sayer, im eigenen Schopf (Schuppen) gelagert.
Schon bald knüpften wir freundsc haftlichen Kontakt mit der OG Sulzburg, so dass bereits im Sommer 1969 der erste gemeinsame Sommerrettungsdienst am Feldberg stattfand. Die guten Kenntnisse der Sulzburger Kameraden im Umgang mit dem Stahlseilgerät und das Wissen über die einheimische Pflanzenwelt, brachte uns sehr viel.
Aus der bisherigen Ortsgruppe Obermünstertal wurde am 25.08.1972 nach Zusammenschluss der Gemeinden Unter- und Obermünstertal die Ortsgruppe Münstertal. Nach gemeinsamer Absprache wurde auch unser Dienstgebiet größer, wir übernahmen nun das ganze Tal. Bisher war das untere Münstertal der OG Sulzburg zugeteilt. Die Betreuung der Skilifte am Weiherkopf wurde nach wie vor durch die nahegelegene Bergrettungswache Sirnitz durchgeführt.
Eine weitere Herausforderung war die Inbetriebnahme des Heidstein- bzw. Eichbühllifts im Winter 1972/1973. Die Dienstmannschaft musste auf fünf Mann verstärkt werden, Abtransporte und Hilfeleistungen nahmen deutlich zu.
Erstmals konnten wir einen eigenen Raum, der uns von der Liftgesellschaft an der Talstation des Heidsteinlifts zur Verfügung gestellt wurde, nutzen. Bisher waren wir im Nebenzimmer des Gasthauses Neuhof “untergebracht”. Hier fanden die Versorgungen der Verletzten und die Ausbildungen, die während des Dienstes abgehalten wurden, statt.
Mit den neuen Liftanlagen und einer der längsten FIS Strecke im Schwarzwald stiegen ständig auch die Anforderungen an uns. Immer häufiger wurden an unserem “ Hausberg” Skirennen ausgetragen. So zum Beispiel Europacup-und FIS-Rennen, internationale Deutsche Meisterschaften sowie zahlreiche nationale Wettkämpfe.
Im Sommer 1979 wurde dann der erste Feldbergdienst von uns alleine durchgeführt. Da wir noch kein eigenes Fahrzeug besaßen wurde uns ein Kombi der Landesleitung zur Verfügung gestellt um die Mobilität der Dienstmannschaft sicherzustellen.
Der Umbau der Schauinslandbahn zu einer Kabinen-Umlaufbahn stellte auch für uns eine neue Herausforderung dar. Wir wurden mit in das Einsatz und Bergekonzept aufgenommen und nahmen von nun an bei den Evakuierungsübungen teil.
Bald standen auch schon die ersten Ehrungen an. Fridolin Gutmann, Rudolf Gutmann, Gerhard Schneider, Stefan Schneider, Bernhard Steffe, Franz Steiger, Siegfried Steiger, Otto Schelb und Helmut Sayer erhielten vom Landesvorsitzenden Walter Böcherer und Bürgermeister Karl Walz eine Urkunde mit Ehrennadel .
Unsere “ Schützen” erwiesen sich beim Wanderpokal schießen der örtlichen Vereine mehrmalig als überragend treffsicher und gewannen den begehrten Pokal insgesamt 5 mal.
Um die vielfältigen Aufgaben zu bewerkstelligen musste mehr und mehr Geld investiert werden. Deshalb führte man immer wieder Veranstaltungen zur Finanzierung neuer Anschaffungen durch. So wurden auch die ersten Volkswanderungen im Münstertal von der Bergwacht ausgerichtet. Auch Tanzveranstaltungen, Hüttenfeste am 1. Mai und vieles mehr lässt man sich bis heute einfallen. So z. B. auch den “ Tag des Retters” und das Bergfest im Neuhof, die im zwei jährigen Wechsel stattfinden.
Ein lang ersehnter Wunsch wurde im Oktober 1988 erfüllt. Der Landesvorsitzende Böcherer übergab uns unser erstes eigenes Einsatzfahrzeug. Bisher mussten wir für unsere planbaren Dienste immer auf einen Kombi der Landesleitung zurückgreifen. Plötzliche Einsätze wurden mit den privaten Fahrzeugen erledigt. Durch unseren VW Kombi mit Allradantrieb und zuschaltbarer Sperre wurde unsere Einsatzbereitschaft deutlich verbessert. Durch die stetig steigende Zahl der “Sommereinsätze” war das Fahrzeug von Anfang an sehr vorteilhaft, es konnte manche Einsatzstelle schneller, besser und vor allem mit Ausrüstung und Gerät erreicht werden.Nach einiger Zeit bekam das Fahrzeug einen festen Unterstellplatz. Wir durften an der Krumlindenschule die alte Garage der Malteser, die bislang am Bahnhof stand, aufstellen. Auch für die Wintermonate stellten sich deutliche Verbesserungen für die Bevölkerung ein. Mit den Maltesern wurde eine Absprache getroffen, dass bei widerlichen Straßenverhältnissen zukünftig der sogenannte “ Winterfahrdienst” der Bergwacht genutzt werden kann. Dies bedeutet, dass wenn Straßen und Wege eis- oder schneebedeckt sind und ein Vorankommen mit dem Rettungswagen (RTW) schlecht oder gar nicht mehr möglich erscheint, die Bergwacht mit der RTW Besatzung ausrückt und diese zur Einsatzstelle bringt. Dieser Fahrdienst besteht auch heute noch. Zahlreiche Einsätze der vergangen Jahre zeigen immer wieder, wie sinnvoll diese Einrichtung nach wie vor ist. Unser Kombi ist mittlerweile volljährig: sprich 18 Jahre alt. Langsam beginnt der Rost an ihm zu nagen, Reparaturen werden häufiger.In den nächsten Jahren werden wir uns nach einem neuen, geeigneten Fahrzeug umsehen müssen.
Schon seit über 10 Jahren sehnten sich die Kameradinnen und Kameraden nach eigenen Räumlichkeiten, denn der Raum im Heidsteinlift war eng und für eine größer werdende Dienst mannschaft zu klein. Es fand sich kaum Platz für die Akia und all die anderen Ausrüstungsgegenstände. 1993 wurde unter der Leitung des Vorsitzenden Bernhard Steffe der Bau einer Rettungsstation im Neuhofgebiet erneut zum Thema. Die Standortfrage und Finanzierung des Projekts wurde geklärt. Durch die guten Kontakte des Landesvorsitzenden Walter Böcherer wurde es ermöglicht ein Baugrundstück gegenüber der Talstation Heidstein auf “ Erbpachtbasis” vom Land zu bekommen. Nun begann die Planungsphase. Man brachte die Vorstellungen und Wünsche der Kameraden zu Papier und der Bauantrag wurde gestellt.
Mit dem Einschlag des Bauholzes konnte noch im selben Winter begonnen werden.Im Frühjahr 94 wurde die Baugrube ausgehoben, der Rohbau begann. Unter unermüdlichem Einsatz vieler Kameraden wurde teilweise bis in die späten Nachtstunden gearbeitet. Als der Rohbau fertig gestellt war, konnte das Obergeschoss samt Dachstuhl aufgerichtet werden. Das Richtfest wurde gefeiert.Es begann der Innenausbau. Schon wie beim Rohbau kam uns die hohe Anzahl der handwerklich geschickten Mitglieder zugute. Gipser-, Schreiner-, Fliesenleger,- Installateur- und Elektroarbeiten wurden alle in Eigenregie durchgeführt.
Nach tausenden Stunden, die durch fleißige Kameraden und viele Freunde der Bergwacht unentgeltlich geleistet wurden, konnte die Station nach nur 9 monatiger Bauzeit feierlich eingeweiht werden.
Finanziert wurde das gesamte Gebäude komplett ohne öffentliche Gelder. Nur durch viele Spender, die in Form von Geld und Material das Vorhaben unterstützten, konnte dieses Projekt überhaupt entstehen.
An dieser Stelle sei allen fleißigen Helfern um Bernhard Steffe und allen Spendern nochmals “herzlich Dank gesagt”, ohne sie wäre der Bau unserer Station am Heidstein nie durchführbar gewesen.
Kurze Zeit nach dem Bau der Station am Heidstein kam es zu Planungsgesprächen mit den Maltesern für eine gemeinsame Rettungswache. Da das Platzangebot in unserer Garage und dem Gruppenraum mit Lager in der Krummlindenschule sehr begrenzt war und auch die Sanitären Einrichtungen nicht dem entsprachen, was annähernd einem “Standard” für die Unterkunft einer Rettungsorganisation entsprach, erklärten wir uns dem Projekt anzuschließen.
Die Standortfrage war mit Überlassung des alten Bauhofgeländes im Gufenbach geklärt. Das Grundstück wurde uns von der Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt.Unser Vorhaben war es ein Gebäude zu bauen, in dem beide Organisationen unter einem Dach untergebracht sind. Mit dem Vorteil, dass viele Räume und Einrichtungen gemeinsam genutzt werden können. So zum Beispiel der Ausbildungsraum, der Waschplatz, der Funkraum und die haustechnischen Anlagen wie Heizung etc.. . Da es sich bei unserem Bauvorhaben um ein Pilotprojekt im Land handelte und durch diese Idee Geld eingespart werden konnte, bekamen wir auch die Zusage über eine Förderung vom Land Baden- Württemberg.
Mit dem Spatenstich im September 1997 ging es los. Die Fundamente wurden ausgehoben und der Rohbau wurde erstellt. Im Februar 1998 feierten wir “ Richtfest”.
Trotz der Förderung mit öffentlichen Mitteln blieb die Eigenleistung nicht aus. Drei Jahre waren seit der Einweihung der Station am Heidstein vergangen und schon wieder war der Einsatz vieler freiwilliger Kameraden gefordert. Wir erstellten die Trockenbauwände, Teile der Isolierung, Zwischendecken und Innenschalungen aus Holz, die Elektroanlagen der Garagen, die Terrassenbeläge und die Außenanlage mit Parkplatz.
Die offizielle Einweihung wurde am 24. Juli 1998 gefeiert. Selbst heute, 8 Jahre nach Bezug der Rettungswache, findet unser Pilotprojekt immer noch öffentliches Interesse bei anderen Organisationen und wird gerne besichtigt. Idealerweise sind wir direkt beim Feuerwehrhaus angesiedelt, so dass man heute vom “ Rettungszentrum Münstertal” spricht.
Im Herbst 1999 wurde dann die erste Jugendbergwacht im Münstertal durch Jochen Stiefvater gegründet, um frühzeitig Jugendliche mit uns in Verbindung zu bringen. Der Nachwuchs ist die Zukunft jedes Vereins, auf spielerische Weise werden die jungen Bergwachtlerinnen und Bergwachtler unseren Aufgaben nahe gebracht. Sie treiben viel Sport, gehen Klettern, machen Ausflüge und werden in “erster Hilfe” ausgebildet. Durch die Teilnahme an Müllsammelaktionen, die Hilfe bei Enthurstungsmaßnahmen oder die Instandsetzung des Besuchergeländers am Scharfenstein sollen sie früh in unsere soziale Gesellschaft integriert werden und sich aktiv einbringen.Die ersten “ Früchte” der guten Jugendarbeit konnten schon “geerntet” werden, viele sind bereits Anwärter geworden, einige haben die Dienstprüfung abgelegt. Mittlerweile sind 2 ehemalige Jugendbergwachtler in unserer Vorstandschaft aktiv.
Unsere jüngste Errungens chaft ist unser “ ATV”g . Ein All Terain Vehikel (Fahrzeug für jedes Gelände). Da unser 24 Jahre alter Motorschlitten immer reparaturanfälliger wurde, entschlossen wir uns einen Antrag für eine Ersatzbeschaffung zu stellen. Die Wartezeit bis zur Bewilligung unseres Antrags nutzten wir intensiv, um uns auf dem Markt umzusehen. Der technische Fortschrift der Fahrzeugindustrie für Sonderfahrzeuge war beachtlich. Neue laufruhige 4-Takt Motoren und besseres Handling bei den Motorschlitten fielen sofort auf. Aber auch der neu enstandene Markt für ATV`s ließ uns aufhorchen, da ein solches Fahrzeug ganzjährig eingesetzt werden kann. Nach einigen Recherchen, Probefahrten und Besprechungen entschieden wir uns für die Beschaffung eines ATV`s, da uns die Vorteile dieses Fahrzeug`s für unsere Nutzung überzeugten. Für den Winterbetrieb wurde uns ein Satz Raupenketten empfohlen.2004 war es soweit, unser Antrag wurde bewilligt und wir bestellten unser ATV mit Sondersignalanlage und Funkausrüstung. Im Januar 2005 wurde das Fahrzeug in einer feierlichen Stunde zusammen mit einem weiteren ATV der OG Baden-Baden eingeweiht. Seit her verrichtet es sehr nützliche Dienste. Schon manchen Einsatz, im Sommer wie im Winter, hat es hinter sich gebracht, uns zuverlässig zu den Einsatzstellen befördert und den Verletzten somit wichtige Hilfe geleistet. Aufgrund der Bauweise ist es uns möglich schmalere, steilere und ausgeschwemmte Wege zu befahren. Immer mehr Veranstaltungen finden in der Natur statt, um diese zu Betreuen setzen wir dieses Fahrzeug auch ein. Wir sind damit schneller und wendiger als bisher mit unserem “VW-Kombi”.
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