Die Chronik aus dem Jubiläumsjahr 1998

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Auf Anregung des damaligen Bürgermeisters der Gemeinde, Walter Schlageter, wurde in Absprache mit dem Landesvorsitzenden, Walter Böcherer, und den Teilnehmern eines Bergwacht- Erste- Hilfe- Kurses im Winter 1972/73 beschlossen, in Menzenschwand eine eigene Bergwacht-Ortsgruppe zu gründen.
Durch den zunehmenden Skibetrieb an den gemeindeeigenen Lifte, mit daraus resultierender Notwendigkeit einer soliden Versorgung verletzter Skifahrer, war man zu dieses Erkenntnis gelangt.
Man verständigte sich auf den 14. März 1973 für die Gründungsversammlung.

An diesem Tag konnte Landesvorsitzender Walter Böcherer neben Bürgermeister Schlageter die Vorsitzenden der Ortsgruppen Altglashütten, Bernau, Häusern und Todtnau, den Technischen Leiter der Landesleitung Willi Bucher und die stattliche Zahl von 26 an der Bergwacht interessierten Personen im Gasthaus "Zur Linde" begrüßen.
Nachdem die Versammlung den Willen zur Gründung der Ortsgruppe bekundet und letztlich 24 Personen den Aufnahmeantrag unterschrieben hatten erfolgte die Wahl der 1. Vorstandschaft der Bergwacht Schwarzwald Ortsgruppe Menzenschwand.

Bürgermeister Schlageter und Landesvorsitzender Böcherer freuten sich gleichermaßen über die geglückte Neugründung und übergaben jeweils eine Starthilfe von DM 100,- von Gemeinde und Landesleitung.

Die Ausbildung der Anwärter fand teilweise in der Schule im Vorderdorf, hauptsächlich aber in einem Raum im Obergeschoss des Rathauses im Hinterdorf statt.
Die Sanitätsausbildung war von Frau Dr.Kiliani aus Bernau übernommen worden.

Im Jahr 1974 konnten die ersten 11 Anwärter erfolgreich die Bergwachtprüfung in Todtnauberg ablegen.

Aus dem Berichtsbogen für das Jahr 1974 ist zu entnehmen, dass von der Ortsgruppe in diesem Jahr schon 27 Abtransporte durchgeführt wurden und an 55 Tagen stattliche 856 Einsatzstunden erbracht worden waren.
So bezeichnete im Herbst 1975 eine örtlich verbreitete Tageszeitung in Ihrem Artikel die Orstgruppe Menzenschwand der Bergwacht treffend als "kleine, aber tatkräftige Gruppe".

Nach und nach wurden Ausbildungsunterlagen, Ausrüstung und Hilfsmittel beschafft und ergänzt.
Auch persönliche Ausrüstung, bestehend aus BW- Anorak, -Pullover und -Mützen wurden angeschafft.

Für den Abtransport vom Schwinbach ins Vorderdorf bei schlechten Schneeverhältnissen in den auch damals schon vorkommenden schneearmen Wintern oder gegen das Frühjahr baute Heinrich Sanin im Herbst 1975 einen zweirädrigen Unterwagen für das Akia.

Neben dem Winterdienst an den Skiliften Rehbach, Mösle und Schwinbach wurden während der Sommermonate Aufgaben im Naturschutz wahrgenommen.
Bei der Hauptversammlung im Oktober 1975 wurden z.B. 15 Fälle von "Mutwilligem Abreißen oder Beschädigen der Pflanzen" beanstandet. 96mal wurden Waldwege unberechtigt befahren, 10 Fahrer wurden angezeigt.
Auch das Rauchen im Wald und grober Unfug in Form von Zerstörungen an Hütten und Umwerfen von Holzstößen machten Naturschutzobmann August Weber damals großen Kummer.

Im November 1976 wurde an die Gemeinde der Antrag auf kostenlose Überlassung eines Raumes im Keller des Rathauses im Hinterdorf gestellt, um einen eigenen Dienst- und Übungsraum zu haben.
Am 09.12.1976 wurde vom Gemeinderat dem Antrag zugestimmt, wobei die Baumaterialien dankenswerterweise von einheimischen Betrieben und Handwerkern größtenteils kostenlos zur Verfügung gestellt wurden.

1977 wurde in Bernau mit den 5 Ortsgruppen des Landkreises Waldshut die Zusammenstellung, Ausrüstung und Ausbildung eines Bergwacht-Rettungszuges besprochen. An den Katastrophenschutzübungen im Oktober 1977 und in späteren Jahren war Menzenschwand jeweils vertreten.


Um den Dienst effektiver gestalten und Hilfe für Verletzte schneller organisieren zu können, wurde die Anschaffung von Funkgeräten beantragt. Von der Stadt St. Blasien gab es 1978 einen Zuschuß von DM 2.000,-, vom Landkreis Waldshut DM 3.500,-. Die Bezirkssparkasse St. Blasien legte 1979 DM 926,- zur Beschaffung eines weiteren Gerätes nach. Dadurch wurde die Kommunikation mit Krankenwagen, Notarzt, Hubschrauber und auch mit der Polizei, z.B. bei Suchaktionen, nachhaltig verbessert.

Um die finanziellen Mittel für die nötige Ausrüstung und Gerätschaften aufbessern zu können, beteiligte sich unsere Ortsgruppe ab 1978 zusammen mit anderen örtlichen Vereinen an Straßenfesten in St. Blasien. In das selbe Jahr reichen die mittlerweile schon zur Tradition gewordenen jährlichen Alteisensammlungen der Bergwacht zurück. Ebenfalls ab 1978 nahmen jeweils Kameraden unserer Ortsgruppe an der Ausbildung zum Luftretter teil.

Auch fanden ab 1978 zusätzlich Sommerrettungsdienste zusammen mit den Ortsgruppen des Landkreises und der Landesleitung auf dem Feldberg statt.
Gemeinsam mit umliegenden Bergwachtortsgruppen wurden eindrucksvolle Kletterübungen am Rabenfelsen im Krunkelbachtal durchgeführt.

Im Januar 1982 beschloß der Vorstand, einen Ski-Doo zu beschaffen. Dankenswerterweise stimmten Ortschaftsrat, Stadt- und Kreisrat den gestellten
Zuschußanträgen ohne Abstriche zu. Weitere Zuschüsse kamen von der Bezirkssparkasse St. Blasien und der Landesbausparkasse Baden. Auch viele Privat- und Geschäftsleute unterstützten die Anschaffung tatkräftig mit ihren Spenden, so daß die Restfinanzierung von der Ortsgruppe Menzenschwand bewältigt werden konnte. Am 21. Januar 1983 konnte der Ski-Doo im Rahmen einer kleinen Feierstunde in Dienst gestellt werden. Die schnelle Versorgung von Verletzten im ausgedehnten Loipennetz, auf den gewalzten Wanderwegen und bei diversen Wintersportveranstaltungen erfuhr damit eine wesentliche Verbesserung.

In den ersten 10 Jahren ihres Bestehens hatte die Ortsgruppe schon 2100
Stunden für den Naturschutz geleistet, 15450 Stunden Einsatz im Winter- und 1250 Stunden im Sommerrettungsdienst erbracht. Dabei waren 325 Hilfeleistungen und 220 Abtransporte erforderlich, 10 Suchaktionen und 2 Hubschraubereinsätze wurden durchgeführt. Dementsprechend wurde das lOjährige Jubiläum am 13. August 1983 unter Mitwirkung der kulturellen Menzenschwander Vereine im Kurhaus im Beisein von viel Prominenz gebührend gefeiert.
Außer den üblichen Diensteinsätzen halfen ab Januar 1985 einige Kamera den bei den DRK-Blutspenden in St. Blasien mit. Zunehmend mußten auch mehr Sonderveranstaltungen betreut werden.

Eine sehr große Herausforderung für die Ortsgruppe der Bergwacht waren die Deutschen Behinderten-Meisterschaften, die 1987 in Menzenschwand stattfanden. Um neben dem normalen Lift- und Loipendienst die Veranstaltung betreuen zu können, mußten alle verfügbaren Kräfte mobilisiert werden. Letztlich konnte die gesamte Veranstaltung zur allgemeinen Zufriedenheit abgewickelt werden und Lorenz Dietsche durfte die Silberne Verdienstmedaille des Landkreises Waldshut aus den Händen von Bundespräsident Richard von Weizsäcker entgegennehmen.
Das Amt als 1. Vorsitzender gab Gründungsmitglied Lorenz Dietsche nach über 20 Jahren 1993 an seinen Stellvertreter Dieter Waldvogel ab. Lorenz Dietsche wurde für seine großen Dienste gewürdigt und zum Ehrenvorsitzenden der Ortsgruppe Menzenschwand ernannt.

Als die Vorbereitungen für die Eröffnung des Klettergartens in St. Blasien begannen, bemühte sich die Vorstandschaft der Ortsgruppe Menzenschwand um ein Einsatzfahrzeug, das den schnellen Transport von Mannschaft und Gerät erleichtern sollte. Bei der Eröffnungsfeier, die von der Bergwacht durch eindrucksvolle Rettungsübungen im Fels mitgestaltet wurde, bewährte sich dieser Kombi ebenso wie bei der Mitwirkung bei der Mountainbike-Weltmeisterschaft in Kirchzarten, wo die Bergwacht Schwarzwald über 10 Tage den gesamten Rettungsdienst an den Rennstrecken durchführte.
Vor der Hauptversammlung am 09.12.1995 fand dann im Rahmen eines kleinen Empfangs die offizielle Ubergabe des gebrauchten VW-Kombi an die Ortsgruppe Menzenschwand statt, der sich auch in der weiteren Folge bei vielen Einsätzen, vor allem im Sommerrettungsdienst, bewähren sollte.

So führte auch der „BLACK FOREST ULTRA BIKE MARATHON“ im Juli 1997 durch unser Dienstgebiet und die Ortsgruppe Menzenschwand hatte zum Sanitätsdienst an neuralgischen Punkten Position bezogen.

Einen weiteren Meilenstein in der Geschichte unserer Ortsgruppe bedeutete die Gründung einer eigenen Jugendgruppe. Am 15. Oktober 1997 kamen die interessierten Jugendlichen in den Bergwachtraum. Es besteht nun eine hoch motivierte Truppe, die mit Feuereifer an den von Andreas Göggel mit großem Engagement abgehaltenen Gruppenabenden teilnimmt.
Aber auch unsere recht zahlreichen Anwärter nähren die Hoffnung auf einen sabilen Stand an aktiven Mitgliedern und die Möglichkeit, die verdienten Kameradinnen und Kameraden der ersten Stunde von schweren körperlichen Diensttätigkeiten zu entlasten.

Die vielseitige, hochinteressante Aus- und Weiterbildung für den Rettungsdienst im unwegsamen Gelände und die Tätigkeit im Naturschutz ist ohne Unterstützung vielfältiger Art nicht oder nur schwer möglich. Deshalb gilt ein herzlicher Dank allen Freunden, Gönnern, Förderern unserer Ortsgruppe, den politisch für unsere Raumschaft Verantwortlichen, der Landesleitung der Bergwacht und allen anderen im Natur- oder Rettungsdienst tätigen Organisationen, mit denen uns eine vertrauensvolle Zusammenarbeit verbindet.

So wie in den vergangenen 25 Jahren wird für die Ortsgruppe Menzenschwand der Bergwachtspruch

„Die Güter der Heimat zu schützen,
dem Nächsten zu helfen in Not,
dem Volk und der Heimat zu nützen,
das ist der Bergwacht Gebot“

auch in Zukunft Fundament für den Dienst im Interesse der Allgemeinheit sein.

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