Bericht des Ausbildungswochenendes der Bergwacht-Anwärter der Ortsgruppe Karlsruhe vom 20.04. – 21.04.12

Am 20.04.12 trafen sich die Anwärter der Bergwacht Schwarzwald e.V. Ortsgruppe Karlsruhe (BW KA) pünktlich um 08.00 h auf dem „Bergwacht-Parkplatz“ am Schloss Rüppurr. Immerhin hatten sich insgesamt 10 Anwärter für das Ausbildungswochenende angemeldet! Das gab es schon lange nicht mehr!!! Außerdem waren auch alle 4 Ausbilder mit an Bord des Ausbildungswochenendes so dass die Bedingungen bestens waren.


Als Anwärter waren Andreas, Betina, Birgit, Jochen, Katharina (Kathi), Matthias, Patrick, Philipp, Simon  und Simone dabei. Die Ausbilder waren Alexander (Alex) D., Alexander (Alex) G., Benjamin (Benni) und Jonas.


Nachdem wir das Gepäck im Bergwacht-Bus, dem Verpflegungsanhänger und dem Bus von Philipp sicher verstaut hatten ging es los Richtung Bergwache nach Unterstmatt. Wie immer wurde auf dem Weg dorthin ein kurzer Halt in Bühlertal eingelegt um sich beim Dorfmetzger und Landbäcker noch mit (weiteren) Gaumenfreuden für die nächsten zwei Tage einzudecken.


Als wir dann gemeinsam alles auspackten stand für die „Neulinge“ zuerst ein Rundgang in der Bergwache an um sich entsprechend orientieren zu können bzw. sich einen ersten Überblick über die Größe und die Möglichkeiten im Stützpunkt der BW KA zu verschaffen.


Damit das Wochenende auch zum näheren Kennenlernen untereinander dient wurde zuerst eine Vorstellungsrunde gemacht bei der jeder Dinge wie den Namen, das Alter und den Beweggrund zur Bergwacht zu gehen nannte bzw. welcher Beschäftigung man im Alltag nachgeht wenn man nicht bei der Anwärter-Ausbildung ist.


Anschließend begann auch schon die erste Ausbildungseinheit, welche die unterschiedlichsten Verbände mit Binden und Dreieckstüchern beinhaltete. Dies führte vor allem bei den Kopfverbänden mit Hilfe der Dreieckstücher zu allgemeiner Erheiterung.


Nach einer kurzen Kaffeepause folgte die zweite Theorieeinheit. Hierbei wurden die verschiedenen Arbeitsmittel die zur Immobilisation Verwendung finden vorgestellt und auf deren mögliche Anwendung eingegangen.


Danach stand die Mittagspause mit Bezug der Schlafräume an. Da das Wetter zwischenzeitlich sich etwas verschlechtert hatte musste man sich zur ersten Praxis- und damit dritten Ausbildungseinheit in wetterfester Bekleidung auf der Terrasse einfinden. Nachdem man die Arbeitsmittel zur Immobilisation kennen gelernt hatte galt es nun deren Anwendung in simulierten Einsätzen zu erproben. Hier konnte man so zusagen am eigenen Leib erfahren wie sich ein Transport per Schnabeltrage bzw. mit Hilfe der großen Vakuummatratze anfühlt. Diese persönlichen Erfahrungen werden sicherlich im weiteren Umgang mit Verunfallten weiterhelfen und zusätzlich zu einem tieferen Verständnis für eventuelle Ängste oder Bedenken bei einem solchen Transport beitragen.

Aufbau der Opperer Platte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Um das Erlebte zu verarbeiten und zur Regeneration wurde eine weitere Kaffeepause eingelegt. Die nächste theoretische Ausbildungseinheit wurde von den zwei Erfahreneren Anwärtern Simone und Jochen vorbereitet, welche im Sommer zur Dienstprüfung angemeldet und somit allmählich am Ende ihrer Ausbildung angelangt sind. Die beiden durften hier den anderen Anwärtern die Funktion des Herz-Kreislaufsystems sowie die Problematik eines Gefäßverschluss  erläutern. Simone ging hier detailliert und gut verständlich u.a. auf den Aufbau und die  Funktion der Herzkranzgefäße ein.


Zum anschließenden Abendessen gab es das von Kathi und Simon  bereits zu Hause vorbereitete Gulasch mit Spätzle und Salat. Die beiden erklärten sich freiwillig zur Zubereitung des Abendessens bereit. Durch die Vorbereitung des Gulasches in Durlach konnte der Zeitaufwand für die Einnahme der abendlichen Stärkung auf ein Minimum begrenzt und bereits verlorene Zeit wieder aufgeholt werden.


Um das Dienstgebiet der BW KA besser kennen zu lernen wurde von den Ausbildern eine  Wanderung eingeplant. Als erstes gingen wir auf den Hang des Hochkopfes um die drei nächsten Skihänge zu betrachten, leider war dies wegen starken Nebels nur bedingt möglich.


Danach wurde der Weg Richtung Ochsenstall eingeschlagen. Dieser erwies sich durch den anhaltenden Regen als mit Pfützen übersät, weshalb sich die mitgebrachten wasserfesten Schuhe sehr bezahlt machten. So konnte man trockenen Fußes die Wanderung in der Natur des Nordschwarzwaldes auf einer Höhe von ungefähr 1000m ü. N.N. Genießen. Nach einsetzen der Dämmerung konnten auch die mitgenommenen Stirnlampen auf ihre Tauglichkeit bei Regen getestet werden.



Wer jetzt jedoch dachte dass die Wanderung in einen gemütlichen Spaziergang mündete hatte jedoch weit gefehlt. Auf einmal halte ein Schrei durch den nächtlichen Wald und zuerst dachte sich niemand etwas dabei doch auf einmal wurde allen bewusst dass etwas passiert sein müsse. Nachdem jedoch die Ausbilder die Anwärter mit der mitgeführten Ausrüstung wie Loipen-Rucksack und Funkgerät anwiesen sich zu „formieren“ war jedoch schnell klar dass es sich hierbei lediglich um eine Übung handeln konnte. Die Skepsis legte sich jedoch erst vollständig als wir beim Verunglückten eintrafen welcher von dem noch fehlenden Ausbilder Benni geschauspielert wurde. Da Benni seine Rolle jedoch bestens spielte und wir uns bemühten die Situation so ernst wie möglich zu nehmen stieg in uns die Nervosität und der Stress. Wie sollten wir einen total unterkühlten Patienten, der sich offensichtlich am Knöchel durch einen Sturz verletzt hatte transportieren? Nachdem man sich nach und nach mit der Situation zurecht gefunden hatte wurde beschlossen, während man den Knöchel mit Hilfe eines sog. SAM Splint (gepolsterte formbare Aluminiumschiene) stabilisierte, per Funkspruch Unterstützung aus der Bergwache anzufordern. Danach wurde die Situation unter den im Einsatz befindlichen Anwärtern kurz besprochen und man einigte sich darauf dass man den Patienten zunächst auf eine ebenere Fläche beim oberhalb gelegenen Weg umlagern müsse. Von diesem neuen Behandlungsort wurde der Transport mit Hilfe des Dreiecktuchringes und zweier männlicher Bergwachtanwärter bergauf zum Ochsenstall begonnnen. Dies erwies sich jedoch als sehr kraftraubend  und wurde nach kurzer Zeit von den Ausbildern abgebrochen. Es folgte ein erstes kurzes Rückmeldungsgespräch u.a. mit dem Hinweis den Patienten der Einfachheit halber und der begrenzten zur Verfügung stehenden Kraft und Ausdauer prinzipiell immer bergab zu transportieren. Ebenso wurde auf die örtliche Begebenheit eingegangen und der Ort des Abtransportes idealerweise am bereits zuvor gekreuzten befahrbaren Waldweg favorisiert.


Anschließend wurde die Erkundung des Dienstgebietes fortgesetzt. Am Ochsenstall angekommen wurde die Ochsenstallhütte aufgesperrt und ein seltener Einblick in die mittlerweile in ihrer Bedeutung gesunkenen Bergwachthütte nahe des Ochsenstalls gewährt. Da der Ochsenstall mangels Touristen bereits schon zugesperrt hatte wurde ohne einen Umtrunk der direkte Heimweg angetreten auf dem man am Ochsenstallhang und den beiden Hängen in Unterstmatt vorüber kam.


Nach Abschluss der Erkundungstour wurde noch eine Lehrstunde in der Knotenkunde von Jonas gehalten bei der die Anwärter mit Hilfe der Reepschnüre versuchten die vorgestellten Knoten abwechselnd zu stechen und zu legen. Am Ende der Ausbildung des ersten sehr intensiven Tages angekommen saß man noch ein wenig zusammen und ließ den Tag noch einmal Revue passieren bzw. philosophierte mit dem ebenfalls anwesenden Hüttenwart Rolf u.a. über zugetragene Situationen im Bergwachteinsatz. Hier war es jedem selbst überlassen wann er den Tag für sich beendete was von der einen etwas früher und von dem anderen etwas später wahr genommen wurde.


Der Morgen des zweiten Tages begann um 7:30 h mit einer Runde „Knotensport“ an der frischen Luft. Hier wurde versucht, trotz des Schlafdefizites und der Einnahme alkoholhaltiger Getränke weniger Stunden zuvor, zur alten Form zurückzukehren. Mit Hilfe des darauf folgenden Frühstückes gelang dies dann auch dem Letzten unter den Ausbildern und Anwärtern.


Darauf folgte die zweite große Theorieeinheit des Wochenendes mit der Erläuterung der Bauchorgane und deren wichtigsten Funktionen. Diese Einheit wurde ebenfalls von Simone und Jochen vorbereitet und mit anschaulichem Bildmaterial verdeutlicht.


In der nächsten Theorieeinheit widmete man sich dem Materialrucksack und den verschiedenen verwendeten Seile im Bergwachtdienst. Nach einer kurzen Kaffeepause wurden die Anwärter in drei Gruppen eingeteilt in denen es darum ging auf die Grundlagen bei der technischen Rettung einzugehen. Hier wurden die Bereiche Einrichtung von Anschlagpunkten, Bergung aus absturzgefährlichem Gelände mit Hilfe von der sog. „Opperer Platte“ und eines Flaschenzuges sowie der Transport mit der Gebirgstrage behandelt.

Bedienen der Oppererplatte bei erschwerten Bedingungen

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufgrund der mittlerweile großen Überschreitung des Zeitplanes wurde nach dem Mittagessen beschlossen das Fallbeispiel nicht durchzuführen. Außerdem war das Wetter mittlerweile sehr wechselhaft, so dass wir angefangen von Sonnenschein über Nebel zu Hagel und Schneefall innerhalb einer Stunde sämtliche Wetterbedingungen bei kühlen Temperaturen erleben durften. Es war halt ein richtiges ganzheitliches Ausbildungs- wochenende. Da Dietmar unser Vorstand an diesem Sonntag Dienst hatte wurde er gebeten auf die Organisation der Bergwacht Schwarzwald e.V. insgesamt einzugehen, wobei er auch auf die historischen Daten und Besonderheiten der einzelnen Epochen und Ortsgruppen einging. Danach folgte die Feedbackrunde wobei auch auf den Probeeinsatz am Vorabend eingegangen wurde.


Schlussendlich war der „Unterricht“ beendet. Nun wurde mit der letzten praktischen Übung begonnen dem sog. „Putzalarm“, bei dem alles für den nächsten Dienst wieder vorbereitet und gereinigt wird. Dies ist erforderlich damit der Dienst am darauf folgenden Wochenende wieder ein aufgeräumtes und sauberes Umfeld in der Bergwache vorfindet.


Abschließend bleibt nur noch zu sagen dass wahrscheinlich jeder von diesem Wochenende etwas neues mitnehmen konnte. Je nach der eigenen individuellen Vorbildung eher in den technischen oder medizinischen Bereichen. Ich denke auch das die Anwärterschaft insgesamt auch wieder eine Stück mehr zu einem Team zusammen gewachsen ist.


Auch noch mal im Namen aller Anwärter vielen herzlichen Dank an die Ausbilder und allen die bei der erfolgreichen Vorbereitung und Durchführung dieses Ausbildungswochenendes beteiligt waren. Auch unseren zwei Köchen noch einmal ein Dankeschön!


Das nächste Ausbildungswochenende kommt bestimmt! 

Autor: Matthias Ries

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