Naturschutzgebiet Isteiner Klotz

Das 25 Hektar große Naturschutzgebiet „Isteiner Klotz“ auf den Gemarkungen Huttingen,
Istein und Kleinkems hat aufgrund seiner bemerkenswerten Flora schon seit Anfang des
letzten Jahrhunderts Botaniker und Naturliebhaber aus allen Ecken Deutschlands angezogen.
Davon zeugen noch die zahlreichen Herbarbelege, die in jedem größeren Herbarium
Europas und in fast allen deutschen Herbarien liegen. Allerdings erlebte der Besucher nur
bis etwa 1850 die Landschaft am Oberrhein so intakt, wie sie im Gemälde von
Peter Birmann dargestellt ist.

  Istein nach Peter Birrmann
Isteiner Bucht um 1800 Gemälde von Siegfied Stächelin

Rheinkorrektion, Eisenbahnbau, Anlage von Steinbrüchen und Festungsbauten sowie
zahlreichen Sprengungen haben das Bild in den vergangenen 150 Jahren dramatisch verändert.
Was übrig blieb - die natürlich waldfreien Felsstandorte waren inzwischen auf rund ein Zehntel
der ursprünglichen Größe zusammengeschrumpft - konnte nach 66 Jahre währenden
Bemühungen um den Schutz des Gebietes endlich 1986 als 500. baden-württembergisches
Naturschutzgebiet ausgewiesen werden.

Das Naturschutzgebiet bietet dem interessierten Besucher einen guten Einblick in  die
wärme liebende Pflanzenwelt des südlichen Oberrheingebiets. Nicht ohne Grund wird man
an die Verhältnisse im Mittelmeerraum erinnert, haben doch eine ganze Reihe hier
vorkommender Arten ihren eigentlichen Verbreitungsschwerpunkt im Mittelmeergebiet.
Der größte Teil des Naturschutzgebiets ist bewaldet, es lassen sich rund zehn verschiedene,
naturnahe Wald- und Gebüschgesellschaften im Gebiet unterscheiden. Hinzu kommen
mehrere Pflanzengesellschaften der natürlich waldfreien Felsstandorte.
Pflanzengeographisch besonders bedeutsam ist der Flaumeichenwald zwischen Klotzenfelsen
und Buchgraben. Er enthält viel Elsbeere, Pimpernuß (Staphylea pinnata) und Strauchwicke
(Coronilla emerus). Vor einigen Jahren wurde damit begonnen, den überalterten
Flaumeichenbestand wieder auf den Stock zu setzen.
In der gegen Rehverbiss eingezäunten Fläche hat sich die Flaumeiche inzwischen wider
Erwarten gut verjüngt.
Noch weitgehend unerforscht ist der Weißseggen-Eichen-Lindenwald, der ebenso wie
der Flaumeichenwald ein wärmezeitliches Relikt darstellt. Ebenfalls eine submediterrane
Waldgesellschaft stellt der strauchreiche und verhältnismäßig lichtdurchlässige
Weißseggen-Buchenwald dar, der nur an wenigen weiteren Stellen in Süddeutschland
anzutreffen ist.

Klotz mit Vituskapelle
Isteiner Klotz mit Vituskapelle

Bemerkenswert ist auch das Tieflagenvorkommen des Ahorn-Linden-Blockschuttwalds
im Buchgraben. Eng verzahnt mit dem Felsenbirnen-Gebüsch in den Flühen ist die
farbenprächtige Hochstaudengesellschaft des Diptam-Blutstorchschnabelsaums.
Diese natürliche Saumgesellschaft stellt sehr hohe Ansprüche an Licht und Wärme und
ist bei uns entsprechend selten. Auf kleinen Felsbändern der südexponierten
Malmkalkfelswände an der Klotzenspitze wächst ein sehr lückenhafter, hauptsächlich aus
Blassem Schwingel (Festuca pallens), Berg-Steinkraut (Alyssum montanum), Wimper-
Perlgras (Melica ciliata) und Weißem Mauerpfeffer (Sedum album) zusammengesetzter
Trockenrasen. Diese Bleichschwingel-Felsflur fehlt im gesamten übrigen Oberrheingebiet
und ist als wärmezeitliches Relikt zu verstehen.

Die Gesellschaft der Trespen-Trockenrasen (Xerobrometum) wurde 1931 von BRAUN-
BLANQUET erstmalig vom Isteiner Klotz beschrieben, der somit “locus classicus” dieser
Gesellschaft ist. Trotz zahlreicher gemeinsamer Züge weichen aber die Trockenrasen des
Schutzgebiets erheblich von denen des Kaiserstuhls ab. Das unterschiedliche Artengefüge
ist teils florengeschichtlich, teils geologisch bedingt.

Trokenrasen auf dem Felsensporn
Trockenrasen auf dem Felsensporn

Die Vegetation der Trespen-Trockenrasen am Klotzen setzt sich hauptsächlich aus Erd-
Segge (Carex humilis), Federgras (Stipa eriocaulis ssp. lutetiana), Bartgras (Bothriochloa
ischaemum), Zwergsträuchern, Winterannuellen und seltenen Moos- und Flechtenarten
zusammen.
Faserschirm (Trinia glauca), Kugel-Lauch (Allium sphaerocephalon) und Rispen-
Flockenblume (Centaurea stoebe) bilden jeweils eigene Blühaspekte. Das Areal der
Trespen-Trockenrasen hat aufgrund der in den vergangenen 150 Jahre stark in Anspruch
genommenen Felsstandorte wohl die größten Einbußen von allen Pflanzengesellschaften am
Isteiner Klotz erfahren.
Auch bei den im Schutzgebiet vorkommenden Tierarten ist der Wärmeinselcharakter des
Isteiner Klotzes erkennbar.
Viele Arten gelten als Relikte nacheiszeitlicher Wärmeperioden, die auf derartigen
Habitatinseln überdauerten, nachdem die Umgebung ihre allgemeine Eignung für diese Arten
durch Klimaänderung verlor.
Ausgestorben wie wohl im ganzen Land ist der Rotbindige Samtfalter (Arethusana arethusa),
der noch in den 60er Jahren beobachtet werden konnte, während andere gefährdete
Augenfalter, die ebenfalls buschige, steppenheideähnliche Vegetation bewohnen wie
Blaukernauge (Minois dryas), Weißer Waldportier (Brintesia circe) und Samtbinde
(Hipparchia semele) noch vorkommen.
Erwähnenswert sind insbesondere noch die Vorkommen des Schmetterlingshafts
(Libelloides coccajus), der Gottesanbeterin (Mantis religiosa), der Blauflügeligen
Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens), der Sandbienenart Andrena lagopus, der
Mauerbienenart Osmia athocopoides und der Maskenbiene Hylaeus punctulatissimus.
Zur Erhaltung und Verbesserung der Lebensräume dieser zum Teil stark gefährdeten Tier-
und Pflanzenarten hat die Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Freiburg in
den letzten Jahren umfangreiche Pflegemaßnahmen durchführen lassen. Hier hat
insbesondere die Bergwacht Schwarzwald e.V. mit der Ortsgruppe Istein und ihrem
technischen Leiter, Herrn Wolfgang Sprich, maßgeblich dazu beigetragen, dass sich
dieses Kleinod heute in einem hervorragenden Zustand präsentiert.
Nachdem im Jahre 2001 durch die Staatliche Hochbauverwaltung Freiburg auch das
Mundloch des Stollens der „Roten Galerie“ fachmännisch und einbruchsicher verschlossen
wurde, bleibt zu hoffen, dass auch die Störungen durch Unbefugte im Steinbruch ausbleiben
und Kolkrabe und Wanderfalke ihrem Brutgeschäft hier in aller Ruhe wieder nachkommen
können.
Dr. M. Witschel/ U. Kerkhof,  BNL Freiburg im Februar 2002