Die Chronik der Ortsgruppe Istein

Bereits seit 1925 verrichtet die Bergwacht in Istein ihren Dienst. Emil Flury, Hermann Rudy und Ernst Weber hatten Mitglieder der Ortsgruppe Freiburg kennen gelernt, und sich entschlossen der Ortsgruppe Freiburg beizutreten. Doch bald wurden ihnen die Fahrten nach Freiburg oder zum Feldberg zu beschwerlich, und sie entschlossen sich weitere Mitglieder in Istein zu suchen, um dort eine eigene Ortsgruppe zu gründen. In der Ortsgruppe des Touristenvereins „Die Naturfreunde“ fanden sie weitere interessierte und Ende 1926 oder Anfang 1927 wurde die Ortsgruppe Istein gegründet. Die Ortsgruppe hatte bei ihrer Gründung 9 Mitglieder und Emil Flury wurde zum Vorsitzenden gewählt.

Die Gründungsmitglieder waren:
Flury Emil
Meyer Karl
Rudy Hermann
Däschle Gustav
Elsässer Robert
Bollinger Josef
Weber Ernst
Bollinger Jakob
Haas Mathäus

Gründungsmitglieder Ortsgruppe Istein

Von links Reinhard Maurer, Fritz Wunderlin, Emil Flury, Nikolaus Wunderlin, Theodor Bondi und Karl Meyer beim aufstellen eines Naturschutzschildes im Jahre 1926

Die ersten Dienstausweise wurden im April 1927 beim Forstamt Wollbach zur Anerkennung vorgelegt, im Juni 1927 erhielt das Neumitglied Schmidt seinen Dienstausweis, die Ortsgruppe Istein von der Abteilung Schwarzwald kostenlos einen Sanitätskasten einschließlich Verbandsmaterial und Medikamente.

Die Ortsgruppe konnte nicht über mangelnde Arbeit klagen. Der Isteiner Klotz war seit langem als botanisch sehr interessantes Gebiet bekannt und, auch das Militär hatte wegen seiner weit ins Rheintal reichenden Lage Interesse an ihm.

Die Gemeinde baute den Fremdenverkehr intensiv aus. 1930 wurde versuchsweise der Schiffsverkehr von Basel nach Istein mit 2 Schiffen eröffnet. Sie brachten ca. 600 Personen nach Istein. Zuerst noch über die Schwellen, danach jedoch durch den Kanal. In Basel war der Andrang so groß, daß die Polizei mehrere Hundert Fahrgäste zurückhalten mußte. Deshalb wurden an den nächsten Verkehrstagen dann bis zu fünf Schiffe eingesetzt. Der Besucherstrom war so stark, daß die Ortsgruppen Freiburg, Schopfheim-Fahrnau und Schönau die Isteiner im Naturschutzdienst am Klotzen unterstützen mußten. Wie bekannt der Isteiner Klotz schon zu dieser Zeit war zeigt auch eine internationale, wissenschaftliche Reise des Berliner Professors Dr. Schönichen, die in Athen begann, durch Nordafrika, Frankreich, Italien und die Schweiz bis nach Istein führte, und danach mit einer Exkursion über den Isteiner Klotz im Gasthaus Sternen beendet wurde. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde der Schiffahrtsverkehr wieder eingestellt, wodurch sich der Besucherandrang verringerte. Doch auch die umliegenden Universitäten Basel, Freiburg und Straßburg taten ein weiteres, daß die Arbeit nicht ausging.

  Naturschutzgebiet Isteiner Klotz 1925

Im Jahre 1925 geplantes Naturschutzgebiet „Isteiner Klotz"

Die ausgedehnten Exkursionen und das Sammeln von Herbarmaterial forderte die Mitglieder. In den weiteren Jahren kamen auch auswärtige Mitglieder, so aus Efringen, Haltingen und Weil am Rhein zur Ortsgruppe Istein. Nachdem der Touristenverein „Die Naturfreunde" im Jahre 1933 verboten wurde, hatte die Bergwacht ihre Basis im Ort verloren und wurde als Deutsche Bergwacht Ortsgruppe Weil am Rhein weitergeführt. Als Ortsgruppenführer und Naturschutzwart wurde von den 16 Mitgliedern (8 aus Weil am Rhein, 4 aus Istein jedoch nicht die Gründungsmitglieder Flury, Rudy und Weber, 2 aus Efringen und 2 aus Haltingen) Jakob Kraus aus Weil am Rhein gewählt. Die Arbeit wurde weitergeführt, mußte jedoch durch den Bau der Festungsanlage erneut einen großen Rückschlag hinnehmen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch die Bergwacht verboten, aber die verbliebenen Mitglieder führten die Arbeit weiter.

  Klotz vor dem zweiten Weltkrieg

Isteiner Klotz vor dem zweiten Weltkrieg

Durch die Besatzungsmacht wurde die Sprengung der Befestigungen und des Klotzens vorbereitet. Emil Flury versuchte dies zu verhindern, konnte jedoch mit dem Argument, daß bei der vorgesehenen Sprengung auch der Eisenbahntunnel zerstört würde, nur erreichen, daß die Menge Dynamit verringert wurde.

In den Nachkriegsjahren kam es am Klotzen neben vielen kleineren Verletzungen beim Klettern in den Fels- und Bunkertrümmern auch zu einigen schweren Unfällen, bei denen die Hilfe der Bergwachtmitglieder benötigt wurde. Ein Student aus Lörrach hatte sich nachts auf dem Klotzen verlaufen und schrie laut um Hilfe. Er konnte gefunden werden und so vor dem Absturz über die bis zu 35 Meter hohen Felsen bewahrt werden. Einem anderen Studenten konnte nicht mehr geholfen werden, nach seinem Absturz über die Felswand konnte er nur noch tot geborgen werden.

Am 11. Mai 1952 wurde die Ortsgruppe mit 8 Mitgliedern wieder gegründet. Bei der Gründungsversammlung waren von der Gesamtleitung der Schriftführer Alfred Zink und von der Ortsgruppe Freiburg Kamerad Goetz anwesend.

Später traten 4 weitere Mitglieder in die Ortsgruppe ein. Von diesen „ Neumitgliedern" sind heute noch aktiv Alfred Däschle und Edgar Däschle, inzwischen Ehrenmitglieder, in unserer Ortsgruppe. Emil Flury wurde erneut als Vorsitzender, Robert Elsässer zum 2. Vorsitzenden und Alfred Däschle zum Kassierer der Ortsgruppe Istein gewählt. Obwohl der Rettungsdienst nie die wichtigste Aufgabe der Ortsgruppe war, wurden anfangs von Dr. Poeschel und später von der Gesamtleitung in Freiburg die Mitglieder in „Erste Hilfe" ausgebildet.

1955 hat sich die Mitgliederzahl wieder auf 17 Mitglieder erhöht, und in einer Umfrage der Zeitschrift „Berg – Echo" vom Juni 1955 wurde Martin Hoch aus Istein als jüngstes Mitglied innerhalb der gesamten Bergwacht in Deutschland vorgestellt.

Es wurden jedes Jahr Naturschutzstreifen um Istein durchgeführt und Besuchergruppen, auch aus der Schweiz, über den Isteiner Klotz geführt. Rechtlich war der Isteiner Klotz immer noch nicht ausreichend geschützt. Durch den Steinbruch an der Westflanke wurden große Flächen des Trockenrasens zerstört und nur eine kleine Restfläche blieb erhalten. Militärische und industrielle Interessen verhinderten, daß das gesamte Gebiet unter Schutz gestellt wurde. Es wurde jedoch erreicht, daß der Isteiner Klotz Landschaftsschutzgebiet wurde. Im Jahre 1968 waren Teile des Landschaftsschutzgebietes erneut in großer Gefahr: das Zementwerk Kleinkems wollte seinen Steinbruch um ca. 45 ha nach Süden erweitern. Es wurde mit anderen Naturschutzvereinen der Arbeitskreis Heimatschutz Markgräflerland gegründet mit dem Ziel die Erweiterung des Steinbruches zu verhindern. Am 31. Mai 1970 führte die Ortsgruppe in Zusammenarbeit mit der Gesamtleitung in Freiburg in der Festhalle eine große Kundgebung durch. Die Erweiterung des Steinbruches konnte verhindert werden, aber erst 1986 wurde der Isteiner Klotz von Istein bis zur Gemarkungsgrenze Huttingen/Kleinkems als 500. Naturschutzgebiet Baden-Württembergs unter Schutz gestellt.

Klotz nach der Sprengung 1947

Isteiner Klotz nach der Sprengung 1947

1973 wurde das „Totengrien" (Orchideenwiese) als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Dies führte im Vorfeld zu großen Diskussionen mit dem Gemeinderat, da dieser der Meinung war durch Ausweisung eines Naturschutzgebiets, würde die Entwicklung der Gemeinde eingeschränkt. Trotz der zweimaligen Ablehnung durch den Gemeinderat wurde im Sommer das 2,6 ha große Gelände unter Naturschutz gestellt. Das „Totengrien" wurde bis in die 60er Jahre als Streuwiese von der Gemeinde Istein an Landwirte verpachtet. Anschließend wurde diese Fläche durch Dr. Rasbach gepachtet und von der Bergwacht in seinem Auftrag gepflegt. Seit der Unterschutzstellung 1973 wird das Gebiet von der Bezirksstelle für Naturschutz in Freiburg betreut und in deren Auftrag gepflegt. Die Orchideenwiese ist ebenso wie der Klotz inzwischen international bekannt und aus vielen europäischen Ländern kommen während der Blütezeit Besucher, um sich an den Blumen zu erfreuen. Anfangs der siebziger Jahre wurde in Istein eine neue Ragwurzart entdeckt und Ophrys elatior benannt. Sie blüht als letzte Orchideenart im „Totengrien" von Juli bis August.

 

1995 erhielt die Ortsgruppe vom Umweltminister des Landes Baden-Württemberg Harald B. Schäfer den Naturschutzpreis für herausragende Leistungen. Ebenfalls 1995 wurde die Raumsituation der Ortsgruppe durch den Bau einer eigenen Garage (bisher waren Maschinen und Geräte bei den Mitgliedern privat untergebracht) erheblich verbessert.

Die Gemeinde stellte hierfür kostenlos das Gelände zur Verfügung, die sonstigen Kosten wurden durch die Entgelte für Pflegearbeiten und Naturschutzstreifen erwirtschaftet.

 

Seit 1999 beteiligt sich die Ortsgruppe am Sommerferienprogramm der Gesamtgemeinde. Mit verschiedenen Aktionen versuchen wir den Kindern die Natur nahe zu bringen.

 

Seit September 2014 hat die Bergwacht Istein eine eigene Sondereinsatzgruppe (SEG) und ist damit für den Rettungsdienst in schwierigem Gelände für die Region südlich von Schliengen und westlich von Schopfheim zuständig (siehe Karte des Dienstgebietes).

 

Unsere Ortsgruppe hat Stand Oktober 2015 insgesamt 21 aktive Mitglieder.

 

Über weitere Mitglieder, die unsere Arbeit aktiv unterstützen wollen, würden wir uns freuen. Jeden 3. Dienstag im Monat treffen wir uns zum Dienstabend um 20.00 Uhr in unserem Vereinsraum.