Chronik

 

Die Ortsgruppe Furtwangen wurde 1924, wie auch schon 1922 die Landesleitung, aus verschiedenen Vereinen gegründet. Einer der ersten Gründungsvereine waren wohl die Naturfreunde, in denen eine Bergwachtabteilung mitgeführt wurde. Hinzu kamen etwas später der Ski Club Furtwangen und der Schwarzwald- verein. Diese Gruppe von naturliebenden Idealisten organisierten dann auf dem Brend, dem Hausberg von Furtwangen, Wochenende für Wochenende einen Bergwachtdienst, um vor allem mit dem Naturschutzdienst die Einrichtungen des Schwarzwaldvereins und der Naturfreunde, die heimischen Wälder, Pflanzen, Blumen und Sträucher vor mutwilliger Zerstörung, Verschmutzung und vor Pflanzendieben zu schützen. Solchen oft verhöhnten Idealisten ist es zu verdanken, dass noch viele der selten gewordenen Pflanzenarten wie Arnika, Silberdistel usw. in erfreulicher Fülle auf  unseren Bergen um Furtwangen blühen. Aber sie waren auch da, um verunfallten Wanderern, Skiläufern oder verunglückten oder krank gewordenen Personen in abgelegenen Gehöften zu Hilfe zu eilen.


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Erste Bergwachtstation auf dem Brend


Bald entwickelte sich das Skilaufen zum Volkssport und stellte vollkommen neue Probleme an die Bergwachtmänner. Die "Mode" führte zahl-lose Menschen, denen es an jeglicher Kenntnis des Bergwinters und seiner Gefahren mangelte, in die Berge. Die Folge war eine von Jahr zu Jahr zunehmende Zahl von schweren Unfällen. Ihren ersten Stützpunkt hatte die Ortsgruppe Furtwangen, dank den Kameraden des Schwarzwaldvereins, im Brendturm unter- gebracht. Dieser war bald nicht nur im Winter zu kalt sondern auch im Sommer zu klein. So suchten sie nach einem geeigneteren Stützpunkt. Der damalige Wirt des Gasthauses zum Brendturm erlaubte ihnen 1936, eine Unterkunfthütte auf seinem Grundstück zu bauen. Das dazu benötigte Holz durften sie im Wald des Schwarzbauern im Katzensteig einschlagen. Diese Hütte war dann eine der ersten reinen Bergwachtstationen im gesamten Schwarzwald. Die meisten anderen Bergwachtstationen waren in günstig gelegenen Gasthäusern der jeweiligen Skigebiete untergebracht. Zu diesem Zeitpunkt gab es im Schwarzwald, und damit auch im Dienstgebiet der Ortsgruppe Furtwangen, haupt- sächlich "Unfallmeldestellen der Bergwacht". Diese waren im Gasthaus Fuchsfalle, im Forst- haus Martinskapelle, im Gasthaus Brendturm, im Gasthaus Hirschen-Cyprian, im Gasthaus Kalte Herberge, im Gasthaus Lachenhäusle, beim Ski-Wehrle auf dem Raben und im Michelshof in Linach untergebracht. Die selbst erbaute Hütte war bis zum zweiten Weltkrieg Station und Unterkunft für die Bergwachtmänner, wobei die Hütte auch während des Krieges von Walter Dier betreut wurde. Da während des Krieges der Bergwachtdienst von der Wehrmacht aufgelöst wurde, wurden die gesamten Bergwachtunterlagen an Otto Braun übergeben. Dieser übergab die Dokumente samt der Kasse, weil er beim Ski Club als Rennläufer sehr engagiert war, nach einer Vereinbarung an Fritz Gfell, welcher unter anderem bei der Flugwacht auf dem Brend stationiert war. Er leitete die Ortsgruppe der Bergwacht Furtwangen ab 1933 unabhängig von den Gründervereinen. 1936 wurde Dr. Fritz Guttenberg Mitglied der Berg- wacht Ortsgruppe Furtwangen. Er organisierte von da an die Sanitätsausbildung, die zuvor vom Furtwanger Roten Kreuz geleitet wurde.

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Von links nach rechts:
Hug August, Lais Adolf, Dold Franz, Heine Alfred,Rommel Rolf, Dr. Guttenberg, Weißer Erich, Gfell Fritz, Wehrle Herrmann
Sitzend:
Streifer Otto, Nitz Oskar, Holger Willi


Dank Dr. Guttenberg bekam die Ortsgruppe 1948 regen Zulauf. Zu ihm kamen unter anderem junge verwundete Soldaten (Heimkehrer), die er, je nach Interesse und Eignung, an die Berg- wacht vermittelte. Neben seiner Tätigkeit als Ortsgruppenarzt fungierte er auch jahrelang als Landesarzt der Bergwacht Schwarzwald. Bald waren es genügend Mitglieder, um die meisten Unfallmeldestellen an den Wochenenden mit Dienstmannschaften besetzen zu können. So wurden die Fuchsfalle bei Rohrbach, der Brend, die Martinskapelle , die Kalte Herberge, das Lachenhäusle und der Michelshof in Linach als Bergwacht-Stationen von den Bergwachkameraden der Ortsgruppe Furtwangen im Winterdienst betreut. 1953 wurde die Schutzhütte auf dem Brend gebaut und bekam den Namen "Reckholder Hütte". Sie ist bis heute eine voll funktionstüchtige Schutzhütte, in der sich die diensttuenden Kameraden für Winter, Sommer und Naturschutzdienst sehr wohl fühlen. 1957 trat der im Naturschutz sehr engagierte Dr. Summser an die Bergwacht Ortsgruppe Furt- wangen heran, ob sie ihn bei dem Naturschutz- dienst im Hüfinger Wald unterstützen würden. So zeigte man sich außer dem üblichen Natur- schutzdienst auch dort präsent. Man errichtete sogar eine feste Station im Naturschutz- gebiet der Orchideen, um vor allem den natur liebenden Wanderern und Fotografen Auskunft über die Eigenart der zu schützenden Orchideen zu geben, aber auch um die Pflanzen vor Dieben zu schützen. Ab 1961 wurden in der Furtwanger Umgebung nach und nach Ski-Lifte gebaut. Einer der ersten, die es zu versorgen galt, war der Lift auf dem Brend, ihm folgte der Emililift, der Staatsberglift, der Kalte-Herberge-Lift,der Schneeberglift in Waldau, der Sägenhoflift in Urach und als letzter im Dienstgebiet der Furtwanger Bergwacht der Stollenwaldlift. So entstand der Skilift-Dienst. Seit 1965 machte die Ortsgruppe Furtwangen nicht nur in der Furtwanger Umgebung Dienst, sondern unter- stützt die Ortsgruppe Freiburg bei ihrem Feldberg-Dienst. Dies hatte auch Vorteile für die Furtwanger Ortsgruppe: Man wurde speziell ausgebildet und die Ausrüstung wurde entsprechend erweitert, um für die Anforderungen, z.B. Seilbahnbergungen, gerüstet zu sein. Helmut Wahlenmaier wurde 1964 zum Vorsitzenden der Ortsgruppe gewählt. Mit ihm begann eine Ära der Dienstkleidungen. So bekam die Ortsgruppe eine Art Regenbekleidung, die aus Jacke und Hose bestand. Weiterhin trug man für eine gewisse Zeit einen roten Robin-Hood-Hut, der dann aus Sicherheitsgründen dem Schutzhelm weichen musste.

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Bergrettungswache Seebuck mit dem Fahrzeug der Ortsgruppe Furtwangen


Pionierarbeit leistete 1972 der damalige Technische Leiter Heinz Hildebrandt, der eine der ersten Höhenrettungen als Gemeinschaftsübung mit der Feuerwehr und der SAR Brehmgarten 181 LTG Landsberg/Lech am Rohbau der Studentenwohntürme auf dem Grosshausberg organisierte. Im Zuge der Einbindung der Bergwacht in den Katastrophenschutz fand mit Heinz Hildebrandt als Technischem Leiter (später als Vorstand) 1984 eine der ersten gemeinsamen Übungen mit der Feuerwehr, dem Arbeiter-Samariterbund, den Johannitern und dem Roten Kreuz in Pfalzgrafenweiler bei Stuttgart statt. Weiterhin sollten auch Dienstgrade in der Bergwacht eingeführt werden, was Heinz Hildebrandt aber strikt ablehnte, um die Kameradschaft in der Bergwacht zu erhalten.

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Station der Bergwacht im Hüfinger Wald 1957 - 1959 

Als 1974 der Schwarzwälder Ski-Marathon und 1978 der Rucksacklauf ins Leben gerufen wurden, waren die Männer der Bergwacht Ortsgruppe Furtwangen gefordert, für einen großen Teil der Strecke den Rettungsdienst zu stellen. Man hatte festgestellt, dass das Dienstgebiet zu groß wurde, um mit der bisherigen Mannschaftsaufteilung eine schnelle Rettung aus unwegsamem Gelände, an Liftanlagen und einem riesigen Loipennetz zu gewährleisten. So ver- suchte man 1986 einen zentralen Rettungs- dienst im Gebiet Neueck zu installieren. Als vor- läufiges Provisorium wurde ein gebrauchter Wohnwagen als "Diensthütte" aufgestellt. Es hatte sich sehr schnell gezeigt, dass diese provisorische zentrale Rettungswache sich auf Grund der kürzeren Anfahrtswege als optimal erwies. 1988 beschloss die Ortsgruppe, eine richtige Rettungswache zu bauen. Dort macht die Ortsgruppe bis heute Wochenende für Wochenende, Sommer wie Winter, ihren Dienst, außerdem an allen Feiertagen. 1990 wurde Gerold Seng Vorstand der Ortsgruppe. Unter ihm wurde eines der letzten traditionsreichen und bei der Bevölkerung beliebten Bergwachtwaldfeste veranstaltet. Aufgrund des hohen Arbeitsaufwandes und geringer werdender Mitglieder- zahlen, konzentrierte man sich mehr auf den Trödler- und Weihnachtsmarkt, um wenigstens einen Teil der anfallenden Instandhaltungs- bzw. Aktualisierungskosten für notwendiges Rettungsgerät zu tragen. 1996 löste Karl-Heinz Dietrich den Vorstand ab, er leitete die Ortsgruppe mit neuen Ideen und mit einer fast neuen Vorstandschaft. Er hat die Bergwacht- Freizeitaktivitäten wieder ins Leben gerufen, bei denen man sich zu Fahrradwanderungen, Klettertouren, und auch zu Familien-Wanderausflügen traf. Diese fanden immer großen Anklang bei den Bergwachtmitgliedern und deren Familien.1998 wurde Rainer Probst zum Vorstand gewählt. Er leitet die Ortsgruppe mit viel Engagement bis zum heutigen Tage.

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Gemeinschaftsübung mit der Feuerwehr und dem DRK am Großhausberg