Chronik der Bergwacht Freiburg

Die erste Ortsgruppe der Bergwacht Schwarzwald

Die Gründung der Bergwacht-Ortsgruppe Freiburg im März 1922 war weitgehend eine Initiative der ortsansässigen Wander- und Gebirgsvereine sowie der Skiclubs. Diese Vereine stellten der Bergwacht-Ortsgruppe eigene, geeignete Mitglieder zur Verfügung. Ein wesentlicher Teil des Skisports fand damals in den nördlichen Teilen des Feldbergs, am Baldenweger, im Zastler und am Stollenbach statt, da noch auf keiner Seite des Berges ein Skilift existierte. Für heutige Begriffe unvorstellbar, daß zum Ende der 30er Jahre eine Deutsche Meisterschaft im alpinen Skilauf am Baldenweger und Zastler stattfand, mit einem Höhenunterschied von fast 800 Metern. Alle Teilnehmer mußten beim Training wie beim Rennen zu Fuß zum Start kommen und ihre Ski selbstverständlich selbst tragen. Auch diese wichtigen Rennen, später weitergeführt im Rudi-Cranz-Gedächtnislauf, wurden schon damals von der Bergwacht betreut. Die Rettungsstationen Stollenbach und Zastler bestehen noch heute, dagegen sind die Rettungsstationen Baldenweger, Rinken, Alpersbach und Feldberger Hof zugunsten der zentralen Bergrettungswache am Seebuck aufgegeben worden.

Im Schauinslandgebiet waren die heute aufgelösten Rettungsstationen Kaltwasser, Hohbühl, Bergstation und Burggraf besetzt. In den Kriegsjahren wurde bis 1943 notdürftig ein Dienst aufrechterhalten. Zum Ende des Jahres 1944 kam dann die Tätigkeit der Bergwacht zum Erliegen. Kurz nach dem Krieg und der Währungsreform wurde die Bergwacht neu gegründet. Hauptinitiator zur Wiedergründung der Bergwacht-Ortsgruppe Freiburg war Adolf Friedrich, der später auch Landesvorsitzender wurde. Unter seiner Leitung und unter der seines Nachfolgers als Vorsitzendem der Ortsgruppe, Hans Bergmann, wurden wichtige Grundlagen für die Arbeit der Ortsgruppe Freiburg gelegt. Immer noch war der eigentliche Hauptskibetrieb auf die Nord- und Ostseite des Feldbergs fixiert. Wichtige Samstags- und Sonntagsstreifen führten z.B. vom Baldenweger über den Spänplatz am Hinterwaldkopf nach Weilersbach bei Kirchzarten oder vom Seebuck über die Caritashöhe, Napf und Zweiseenblick nach Bärental. Dies ist heute für viele wohl eine unvorstellbare Belastung, vor allem unter Berücksichtigung der damaligen Ausrüstung. Wie oft mußten Transporte mit dem Hörnerschlitten oder den ersten sehr einfachen Holzakias vom Baldenweger bis nach Hinterzarten durchgeführt werden, d.h. der Holzakia wurde rund zwölf Kilometer bis Hinterzarten von Menschen gezogen.

 
Die erste Rettungsstation
Rinken Jägerheim 1626

 
 
Das erste Geländefahrzeug

Die ersten Lifte brachten eine Verlagerung des Hauptskigebiets auf die Südseite des Feldbergs, den Seebuck und Zeiger.
Die erste Unterkunft hatte die Bergwacht Freiburg in einer kleinen Forsthütte am Rinken. Später wurde die jetzige Bergrettungswache Seebuck gepachtet, um- und ausgebaut und dann käuflich erworben. All dies ohne wesentliche staatliche Unterstützung, dafür mit viel Arbeit und finanziellem Engagement der Mitglieder.
Zu den wesentlichen Dingen, die den Zusammenhalt in der Ortsgruppe begründeten, gehörte u.a. der Abriß von Behelfsbauten am Siegesdenkmal in Freiburg. Der Erlös aus den verkauften Backsteinen und das benötigte Holz aus dem Abriß diente der Erstellung unserer Bergrettungswache auf dem Schauinsland.
Das von der Ortsgruppe Freiburg betreute alpine Gebiet am Feldberg hat leider auch Opfer aus den eigenen Reihen gefordert. So starb unser Kamerad Fritz Nübling im Jahre 1940 unter einer Lawine, nachdem vorher eine Verletzte geborgen worden war. Ein ähnliches Schicksal erlitt im Jahre 1966 unser Kamerad Walter Wernet, der ebenfalls durch eine Lawine zu Tode kam. Ein letztes Opfer forderte ein Lawinenabgang im Jahre 1980, von dem unser Kamerad Wolfgang Ehret verschüttet wurde. Er konnte nur noch tot geborgen werden.
Durch gesetzliche Kletterverbote kam der früher sehr umfangreiche Kletterbetrieb im Dienstgebiet unserer Ortsgruppe fast zum Erliegen. Heute wird nur noch an den Scheibenfelsen und den Gfällfelsen trainiert, da an den Felsen am Feldsee und im Höllental das Klettern verboten ist.

Der Hochakia

Akia mit Seilen

Die Ortsgruppe nahm eine kontinuierliche Entwicklung. Die Ausrüstung wurde komplettiert durch Funkgeräte, neue Fahrzeuge und Rettungsgeräte, die einen enormen Finanzbedarf erforderten, der nur teilweise durch Zuschüsse gedeckt wurde. Zum Wohl der Ortsgruppe war eine Vorstandschaft im Amt, die die Geschicke unter Rolf Dreher fast 30 Jahre lang lenkte.

Sehr früh, im Jahre 1976, wurde auch eine Schnelleinsatzgruppe gebildet, die über Funkmeldeempfänger erreichbar ist. Neue Rettungstechniken waren in der Bergung erforderlich, insbesondere auch zur Bergung von Drachenfliegern aus zum Teil sehr hohen Bäumen, was eine enorme Anforderung an die Retter darstellt und besonderer Rettungsgeräte bedarf.
Im Naturschutz ist die Bergwacht-Ortsgruppe Freiburg seit ihrer Gründung aktiv. Sie betreut heute noch die Natur- und Landschaftsschutzgebiete am Kaiserstuhl, Schönberg und am Feldberg und Schauinsland.

Rolf Dreher

Abtransport mit dem Münchner Schlitten