Rettungs-ATV der Bergwacht Freiburg

Die Bergwacht Freiburg hatte im Dienstgebiet am Feldberg/Seebuck lange Zeit kein motorisiertes Rettungsgerät außer dem Einsatzfahrzeug, früher ein VW-Bus (Modell T3). Nach der Jahrtausendwende kam ein Motorschlitten dazu, der von der Bergwacht Pforzheim übernommen worden war. Mit diesem Gefährt der Baureihe Alpina I waren wir eher unzuverlässig unterwegs, wenngleich dieser Motorschlitten in vielen Einsätzen hilfreich war. Dieses Modell war schon Protagonist im James-Bond-Film "Im Geheimdienst ihrer Majestät" aus dem Jahre 1969. Die Fahr- und Steuereigenschaften bei schwierigem Schnee waren sehr problematisch. Nur bei gut präparierter Piste kam man mit hoher Sicherheit beim Einsatzort an.

ATV – was ist das? ATV klein

ATV ist die Abkürzung für das englische Wort "all terrain vehicle", also ein Fahrzeug für jedes Gelände. Es gibt Modelle von zwei bis vier Achsen. ATVs sind verwandt mit den "Quads". Quads sind meist eher zum Spaß gedacht, als ATV bezeichnet man ein Arbeitsgerät, das oft als Zugfahrzeug in der Landwirtschaft benutzt wird. Da mittlerweile Raupenketten verfügbar sind, werden ATVs vermehrt im Winter eingesetzt. Viele Hüttenwirte, Jäger und Seilbahnbetreiber in den Alpen schaffen seit einigen Jahren anstatt Motorschlitten vermehrt Raupen-ATVs an. Vorteile von Motorschlitten sind gute Beschleunigung und hohe Endgeschwindigkeit – das prädestiniert sie für den Einsatz bei der Betreuung von Schneekanonen, da hier in der Nacht viele Kilometer zurückgelegt werden, erfordert aber routinierte Fahrer.
Für uns waren vor allem folgende Gründe ausschlaggebend, ein Rettungs-ATV statt eines Motorschlittens anzuschaffen:

  • Einsetzbarkeit bei allen Schneearten und auch bei wenig Schnee in der Übergangszeit vor und nach dem Winter – dies ist vor allem dann relevant, wenn Hütten,  Wanderwege und Pistenbereiche erreicht werden müssen, aber weder eine geschlossene Schneedecke noch befahrbare Straßen vorhanden sind
  • Transportmöglichkeiten für Mannschaft und Material (starker Motor und reibungsgeminderte Raupensätze)
  • Sicherheitsaspekte wie Kippstabilität, geringere Geschwindigkeit als bei schnellen Motorschlitten neuerer Bauart
  • Lenkbarkeit auch auf Asphalt (am Seebuck gibt es größere Straßenbereiche und Wendeplatten)
  • Bodenschonende Raupen- und Antriebstechnologie (wenig Flächenbelastung, entsperrbares Differential hinten)

Das Gerät kann neben dem Haupteinsatz im Winter auch ohne den Raupensatz im Sommer mit normalen Rädern betrieben werden. Hier kann das Rettungs-ATV im Katastropheneinsatz oder als Notarztzubringer bei Veranstaltungen genutzt werden und stellt eine schlagkräftige mobile Rettungseinheit dar.

Technische Daten Raupenkette vorne

Ausstattung

  • Soziussitz
  • Überrollbügel mit schwenkbaren Scheinwerfern und Zusatzblinkern
  • Gepäckkorb Heck
  • beheizbare Handgriffe (für lange Fahrten im Winter)
  • Sondersignalanlage (Horn, blaue Rundumkennleuchte und Frontblitzer)
  • Intervallhupe (Warnton, wenn kein Wegerecht gefordert wird)
  • Frontgepäckkorb mit montierbarem Zusatzstauraum
  • Funkanlage (Ladehalterung, Handbedienteil und Außenantenne)

Ausbauer/Fachhändler

Vonblon
Das ATV wurde von der Fachwerkstatt Vonblon in Vorarlberg für den Winterbetrieb speziell ausgerüstet (u.a. Trittbrett- und Kotflügelverbreiterung als Spritzschutz). Die Firma Brutschin in Lenzkirch sorgt für die Betreuung und Service und hat das Fahrzeug zugelassen.

Die Bergwacht Schwarzwald hat neben ATVs der Marke Polaris (Ortsgruppe Offenburg) auch ATVs der Marke Arctic Cat in den Ortsgruppen Baden-BadenMünstertal und Sulzburg im Einsatz (Händler: Quad&More, Umkirch)

ATV im Pulverschnee