Lawinen: Risikomanagement
Lawinen im Schwarzwald
Februar 2002: Nach Tagen starken Schneefalls und Sturms im Gebiet des Feldberges (1493 m) quert eine sechsköpfige Gruppe Winterwanderer die Hauptrinne unterhalb der Zastler Wechte. In diesem Moment löst sich ein Schneebrett 150 Höhenmeter oberhalb der Gruppe, der gesamte Hang geht mit einer starken Druckwelle ab. Vier Personen werden teilverschüttet, eine Person wird ganzverschüttet. LVS-Geräte wurden nicht getragen. Nach einer 80-minütigen Sondieraktion wird der Verschüttete in 1,20 m Tiefe gefunden. Er hat eine Atemhöhle und wird stark unterkühlt gerettet. Sein Überleben ist ein Glücksfall, da bei der langen Verschüttungsdauer die Überlebenschance statistisch nur zwischen 20 und 30 Prozent liegt. Ohne Atemhöhle wäre er höchstwahrscheinlich in der Lawine erstickt.
Dies ist ein nur ein einzelnes Beispiel für Lawinenunfälle im Schwarzwald. Jedes Jahr gehen an - wenigen - Steilhängen Lawinen ab, jedes Jahr sind auch Tourengeher, Schneeschuhwanderer und andere Wintersportler betroffen (s. a. Bericht der Badischen Zeitung (BZ)). Selten werden diese verschüttet, verletzt oder sterben in einer Lawine. Problematisch ist, dass die Lawinengefahr in Mittelgebirgen oft unterschätzt oder gar nicht wahrgenommen wird. Die notwendige Ausrüstung bleibt daheim. Trotz der guten Infrastruktur der Lawinenrettung durch die Bergwacht Schwarzwald sind die Überlebenschancen in einer Lawine im Schwarzwald gering. Denn die überlebenswichtige Kameradenrettung innerhalb der ersten 20 Minuten kann mangels Ausrüstung meist nicht geleistet werden.
Bitte nehmen Sie auf ihren Wintertouren immer ein LVS-Set (LVS-Gerät, Schaufel, Sonde) mit!
Bitte verzichten Sie auf Abfahrten und Varianten an Steilhängen über 30° in lawinengefährlichen Hangexpositionen, wenn eine erhöhte Lawinengefahr zu erwarten ist!
Typische Faktoren für eine erhöhte Lawinengefahr im Schwarzwald
Für die Mittelgebirge existieren keine Lawinenlageberichte, so dass die Lawinensituation selbst eingeschätzt werden muss. Folgende Faktoren erhöhen typischerweise die Lawinengefahr im Schwarzwald:
- leeseitige Steilhänge mit Triebschneeablagerungen
- Sturmtage mit großer Schneeverfrachtung
- kritische Neuschneemengen schon ab 10 cm!
- bestehende Gleitschichten durch Eis, Harsch, Graupel, Winderosion
- Wärmeeinbruch im Frühjahr (Nassschneerutsche)
- Ab Gefahrenstufe ERHEBLICH wird diese auch im Schweizer Jura angegeben. Sie kann dann auch für den Schwarzwald angenommen werden!
Gerade wenn man sich nach stürmischen Tagen mit schlechtem Wetter und Schneefall freut, wieder eine Skitour im Schwarzwald-Pulverschnee gehen zu können, kann die Gefahr von Schneebrettlawinen groß sein.
Folgende Gebiete sind für Lawinenabgänge bekannt (unvollständig!):
- Feldberg/Zastler Tal, Rinnen unterhalb der Wechte
- Feldberg/Seebuckwechte
- Feldberg/Baldenweger Buck
- Schauinsland/Kappler Wand
- Schauinsland/Rotlachen-Hang (Steilstelle)
- Karmuldenhang der Hornisgrinde zum Biberkessel & Mummelsee
Lawinenrettung im Schwarzwald
Die Bergwacht Schwarzwald hat schon seit Bestehen der Bundesrepublik Erfahrung in der Lawinenrettung im Schwarzwald.
Aufgrund dieser Einsatzrealität hat die Bergwacht Schwarzwald ihre Ausbildung und Ausrüstung immer dem internationalen Stand der Technik nach weiterentwickelt.
Heute stehen im Schwarzwald je nach Schwerpunktgebiet alle modernen Lawinenrettungssysteme der organisierten Bergrettung inklusive Lawinensuchhund und RECCO®-System zur Verfügung.
In der folgenden Auflistung wurde durch die Bergwacht offiziell gesucht. Berichte von Lawinenabgängen im Schwarzwald ohne Alarmierung der Bergwacht sind jedoch weitaus häufiger.
- Feldberg/Baldenweger Buck & Schauinsland, Januar 2010 (► und BZ-Bericht)
- Feldberg/Seebuckwechte, Februar 2009 (► und BZ-Bericht)
- Feldberg/Zastler Tal, März 2005 ►
- Feldberg/Zastler Tal, Februar 2002 (s.o. und ►)
- Feldberg/Zastler Tal, 1980
- Hornisgrinde/Mummelsee, 1972
- Hornisgrinde, 1970
- Feldberg/Zastler Tal, 1960
Links zum Thema Lawinen
Lawinenwissen & Prävention
Handeln im Notfall
Lawinenausbildung bei der Bergwacht Freiburg
Tourenplanung
Lawinenausrüstung in Freiburg
Vorträge der Berwacht Schwarzwald
| Am 16. Januar 2011 informiert Sie die Bergwacht Schwarzwald am 3. Schwarzwälder Lawinentag über Prävention von Lawinenunfällen in Todtnauberg in Zusammenarbeit mit dem Skiverband Schwarzwald und der Bergwelt Südschwarzwald. |
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Die Zusammenarbeit der Luftrettung mit der Bergwacht war Gegenstand einer Fortbildung (PDF, 1 MB) am 15.01.2008 in Freiburg-Lehen. Beim Teamtreff der Mitarbeiter des Freiburger Rettungshubschraubers Christoph 54 referierten Karl-Michael Strosing und René Kieselmann vom Lehrteam der Bergwacht Schwarzwald über "Lawinenmedizin, Einsatztaktik und Zusammenarbeit mit der Bergwacht". Die anschließende Diskussion, bei der auch weitere Einsatzleiter der Bergwacht (Uwe Männel, Stefan Schaake) ihre Erfahrungen einbrachten, brachte weitere Impulse für eine gute Zusammenarbeit beider Rettungsorganisationen.
Die Rettungshubschrauber Christoph 54 und Christoph 11 der DRF sowie die Schweizer REGA kommen im Südschwarzwald bei Lawinenunfällen zum Einsatz, wenn Flugwetter ist.
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Am 07.12.2006 fand in den Räumen von Sport Bohny ein gut besuchter öffentlicher Vortrag (PDF, 4,2 MB) der Bergwacht zum Thema Skitourenplanung und Lawinenprävention statt. Stefan Schaake vom Lehrteam der Bergwacht Schwarzwald lieferte Strategien für Fahren abseits der gesicherten Pisten. Auf dieser Seite werden im Vortrag angesprochene Links nochmals gesammelt.
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Haftungsausschluss
Alle Informationen dieser und der verlinkten Seiten sind ohne Gewähr. Die Beurteilung einer Lawinengefährdung ist niemals sicher und bedarf großer Expertise. Daher kann die Bergwacht Schwarzwald keinerlei Gewährleistung für die Korrektheit der hier dargestellten Informationen oder deren sachgerechte Anwendung übernehmen.
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kms & rk 12/2010-02/2012
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