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Rettung eines Patienten im Fels

Baumlandung - Prävention und Reaktion

Gleitschirm - und Drachenfliegen sind keine ungefährlichen Sportarten. Man kann natürlich diskutieren, an welcher Stelle der Risikoskala diese Sportarten stehen - sicher ist, dass nichts sicher ist. Angefangen beim verdrehten Knöchel, wenn man beim Startlauf über einen Maulwurfhügel stolpert über die Baumlandung mit wenigen Kratzern bis hin zu lebensgefährlichen Abstürzen oder Todesfällen ist alles schon vorgekommen.  Gleitschirm01S.jpg

Eine Baumlandung stellt an sich kein tragisches Ereignis dar. Die meisten Piloten sind nach der Landung im Baum unverletzt - von kleineren Blessuren abgesehen. Problematisch, geradezu lebensgefährlich wird die Situation, wenn der adrenalinüberflutete Bruchpilot den Helm abzieht, aus dem Gurtzeug absteigt und ohne Sicherung abklettert. Hierbei sind schon tödliche Abstürze passiert. Auch aus wenigen Metern kann man so abstürzen, dass man sich den Hals bricht oder querschnittsgelähmt ist. Beim Abklettern stellt sich meist das Problem, dass Bäume nach unten meist dicker werden und über immer weniger Äste verfügen, an denen man sich festhalten kann. Trotz dieser auch für den durchschnittlich begabten Menschen nachvollziehbaren Erkenntnis geschieht es regelmäßig, dass nach Baumlandungen abgeklettert wird. Fehlender Handyempfang ist kein Grund dafür, von dieser lebensrettenden Regel abzuweichen - lieber eine kalte Nacht sicher im Baum verbracht als eine kalte Nacht mit schweren Verletzungen auf dem Boden verbracht. Aus diesem Grunde auch an dieser Stelle der monotone, immer wieder gleiche und oft wiederholte Appell: "NICHT ABKLETTERN!".

Prävention

Zur Prävention von Baumlandungen im weiteren Sinn gehört zum einen, auf eine solche vorbereitet zu sein, zum anderen der triviale Tipp, den Abstand zu den Bäumen zu wahren:

a) Vorbereitung:
- Die Rettungsschnur , welche die meisten Flieger bei "Scheinerteilung" bekommen haben, muss zwingend griffbereit mitgeführt werden und sollte auch gegen Herunterfallen gesichert sein (am besten das eine Ende am Gurtzeug/Overall verknoten). Die Schnur muss einsatzbereit sein (Gewicht drangeknotet). Mit der Rettungsschnur wird der Bergwacht die Arbeit deutlich erleichtert.
- Kommunikation : Funktionierendes, geladenes Handy oder Funkgerät erleichtert den Notruf. Man kann durch einen Anruf bei Rettungsleitstelle/Polizei/Bergwacht auch die unnötige Anfahrt von vielen Blaulichtautos verhindern, wenn es nur um eine Baumrettung eines unverletzten Piloten geht. Das Telefon sollte griffbereit sein und nicht in der untersten Ecke des Gurtzeugs verstaut werden.
- Eigensicherung : Nicht immer hängt man sicher im Baum. Um einem Absturz vorzubeugen, sollte man z.B. Bandschlinge, Karabiner oder ähnliche Sicherungsmittel mitführen, um sich einen sicheren "Hängeplatz" im Baum zu schaffen.
- Abseilmöglichkeit? In normal besiedelten Gebieten gibt es ja den Rettungsdienst, der im Schwarzwald i.d.R. von der Bergwacht sichergestellt wird. In weniger dicht besiedelten Gebieten oder schlechter Netzabdeckung beim Handy empfiehlt sich entsprechendes Abseilmaterial, u.a. für Streckenflieger. Der Flieger sollte den Umgang mit diesem Material geübt haben, da schlussendlich das eigene Leben dranhängt. Das Seil sollte schon 30m lang sein. Es können auch dünnere, leichte Seile mitgeführt werden, man muss allerdings beachten, dass bei dünneren Seilen die Bremswirkung beim Abseilen mit Karabiner/Achter oder anderen Abseilhilfen meist geringer ist! Vor dem Ernstfall ausprobieren...
- Sonstige "Notausrüstung": Ausreichend Trinken, etwas zu essen (Energieriegel o.ä.), Erste-Hilfe-Päckchen zur Eigen- oder Fremdversorgung, Kälteschutz. Gerade die Gefahren hochalpiner Regionen werden bei schönen Aktionen wie einer "Marmolada-Toplandung" oft unterschätzt. Was mache ich, wenn ich nach der Toplandung nicht mehr starten kann und absteigen/biwakieren muss? Aber wir sind ja bei der Baumlandung...

b) Abstand von den Bäumen wahren: Leichter gesagt als getan. Es geht nicht nur um den richtigen Abstand beim "Zapfenpflücken", in schwacher Thermik knapp am Hang kratzend... In jeder Situation können Störungen am Fluggerät eintreten und ruckzuck ist man ein paar Meter tiefer. Überschätzen des Fluggerätes, des eigenen Könnens, Falscheinschätzung der Wetterverhältnisse usw. - dies alles sind Faktoren, die Unfälle und Baumlandungen wahrscheinlicher machen. Bei Südeinfluss ist man am Schauinsland durch den Lee-Einfluss z.B. recht schnell in den Bäumen.

Reaktion Drachen und Gleitschirm in der Thermik am Kandel

Was mache ich, wenn der Weg in die Bäume doch unausweichlich ist? Falls möglich, sollte man sich einen stabilen Baum aussuchen und diesen ansteuern. Vor dem Einfliegen in die Krone die Extremitäten einziehen und das Gesicht schützen. Nach dem Einschlag greift man sich den nächsten stabilen Ast und checkt die Lage. Falls diese Lage instabil erscheinen sollte, empfiehlt sich eine Selbstsicherung. Falls kein Sicherungsmaterial (s.o.) vorbereitet war, nimmt man die Rettung (falls noch nicht geworfen) und schlingt diese ein paar Mal um den Baum. Helm bitte auflassen, das macht sich bei einem ungewollten Abgang besser. Etwas Aufatmen tut gut, Gedanken sortieren, entspannen. Bitte Kurzschlussreaktionen vermeiden, vor allem nicht ungesichert abklettern. Es ist besser, ein paar Stunden mit Langeweile im Baum auf die Rettung zu warten als einen Flugtag mit einer Querschnittslähmung, polytraumatisiert oder tot auf dem Waldboden zu beenden. Mit der Rufnummer 112 bekommt man europaweit kostenfrei in allen Mobilfunknetzen eine Verbindung zu einer Rettungszentrale. Dies ist nicht immer die nächste Rettungsleitstelle, sondern kann auch die Polizei oder Feuerwehr sein. Je nachdem, in welches Netz und welche Basisstation man mit dem Handy eingebucht ist, liegt dieser Ansprechpartner recht weit weg vom Unfallort. Man sollte somit den eigenen Standort (und am besten noch den Anfahrtsweg) möglichst genau angeben können. GPS-Koordinaten sind auch hilfreich; auf Rückfrage sollte man das Bezugssystem (meist WGS 84) und die Koordinatenart angeben können. Der Pilot sollte mitteilen, ob er verletzt ist und seine Handynummer für Rückfragen angeben. Zum Thema Handy-Ortung ist der Life Service der Björn Steiger Stiftung interessant.

Die Bergwacht Schwarzwald bzw. deren Einsatzleiter erreicht man auch unter der Notrufnummer 0761 / 49 33 33.
Wenn die Bergwacht vor Ort ist, kann man die Rettungsschnur herunterlassen und ein Seil heraufziehen. In Absprache mit den Rettern kann man weiteres Material heraufziehen und eine Sicherung in einer stabilen Astgabelung legen. Meist verwendet man dazu eine Bandschlinge und einen Karabiner. In Zusammenarbeit mit dem Retter wird man abgelassen. Danach wird der Schirm geborgen. Die Bergwacht versucht, hierbei möglichst wenig zusätzliche Schäden zu verursachen.

Beitrag " Nicht Abklettern! - Hinweise zur Prävention und Unfallsicherheit bei Baumlandungen", René Kieselmann, DHV-Info Nr. 158 (2009), S. 48–49. Ein Dank an den DHV für die Publikationsgenehmigung.
 

Die Versicherung des DHV übernimmt übrigens die Bergungskosten der Bergwacht - allerdings nur, wenn auch der Pilot geborgen wird. Reine Schirmbergungen muss man i.d.R. selbst zahlen.

René Kieselmann (Mailkontakt) Kandel Gipfelbereich aus der Luft
Leiter Bergrettungsdienst
Bergwacht Freiburg

 

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